Grußwort zum Jahreswechsel von OB Joachim Erwin
Dezember 28, 2007

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
ein für Düsseldorf abwechslungsreiches, vor allem aber erfolgreiches Jahr 2007 geht nun zu Ende. Es war ein Jahr mit viel Arbeit, vielen Anstrengungen, aber eben auch mit vielen Errungenschaften. Heute können wir mit großer Zufriedenheit feststellen: Düsseldorf ist noch lebenswerter und noch liebenswerter geworden.
Tourismus 2020: Helloa Loha, bye-bye Ballermann
Dezember 28, 2007

Wolfgang Röhl
Wolfgang Röhl, Autor beim STERN, über Tourismus-Prognosen der Studie “Tourismus 2020″, wonach sich unsere Reisegewohnheiten drastisch ändern werden. Alles Unsinn, sagt Röhl, der seit vielen Jahren für das Hamburger Magazin durch die Tourismus-Welt kariolt.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf achgut.
Alle Jahresenden wieder schlägt die Stunde der Prognosen. Wie, zum Beispiel, wird unsereiner reisen – sagen wir, im Jahre 2020? Ich persönlich neige ja zu der Ansicht: nicht sehr anders als heute. Also, wir werden im Urlaub irgendwohin fahren,

Event-Urlaub: Hirsestampfen auf Madagaskar
wo es möglichst warm ist, dort interessante Sachen begucken, an schönen Stränden baden und uns abends exotische Drinks auf die Lampe schütten? Falsch, ganz falsch! Die Reisenden der Zukunft, sagt ein Eike Wenzel im Reisemagazin Geo Saison voraus, werden im Reisebüro wie folgt vorstellig werden: „Bringen Sie mich nach Madagaskar und ermöglichen Sie es mir, dort für einige Zeit mit Einheimischen zu leben“.
Selbstverwirklichungsurlauber
Das liegt daran, meint der Autor der Studie „Tourismus 2020“, dass wir schon so vieles gesehen haben und uns nunmehr danach sehnen, zum Beispiel einer „VIP-Party in New York“ beizuwohnen oder in der Eremitage in St. Petersburg herum zu stromern, bevor sie „für das Massenpublikum geöffnet ist“. Ferner werden Reiseveranstalter ihre Kunden zu „Nachtreffen“ einladen, bei denen sich die Teilnehmer für die nächste Reise verabreden. Zum Beispiel zu „Coaching und Selbsterfahrung“, was im Urlaub künftig „hoch im Kurs“ stehen werde. Und natürlich wird nur noch geurlaubt, wo irgendwas mit Öko oder Bio draufsteht. Denn die Urlauber der Zukunft sind „Lohas“, das heißt, sie wollen partout einen „Lifestyle of health und sustainability“. Sind „äußerst anspruchsvolle Selbstverwirklichungsurlauber“, denen es auch um „Gesundheit und ethisch korrekten Tourismus“ geht, die aber trotzdem „nicht mit schlechtem Gewissen in die Welt“ fliegen. Hello Loha, bye-bye Ballermann!
Sonne, Strand, Sex
Jedoch, wie schon J.W.v.G. zu sagen pflegte: Seltsam des Propheten Lied, doppelt seltsam was geschieht. Das Dumme an der Sache ist dies: über die Jahre hinweg haben Dutzende Leute derlei Orakel an die für jeden Blödsinn aufgeschlossenen Medien verteilt. Von diesen Voraussagen ist nie etwas eingetreten, was der geringsten Rede wert wäre. Seit der moderne Tourismus wenige Jahre nach Kriegsende aufbrandete, hat es nur ein paar stabile Trends gegeben, auf die sich R eiseveranstalter und Hoteliers verlassen konnten.

Favoriten: Sonne, Strand und Sex
Das sind die drei berühmten S (Sonne, Sand, Sex) und das offensichtliche Grundbedürfnis der Menschen, im Urlaub etwas Spaß zu haben. Überhaupt nicht wollen die Urlaubermassen sich coachen lassen (die sind ja nicht blöd wie Manager) oder Sprachen lernen; abgesehen von einigen wenigen, die Letzteres schon seit Dezennien tun und dafür Reisen bei Nischenanbietern buchen können. Bio und Öko gehen vernunftbegabten Urlaubern erst recht am Derrière vorbei; außer, sie gehören zur Minderheit derer, die ernsthaft an Mülltrennung in Sri Lanka oder an Bio-Food an der Playa del Ingles glaubt. Die meisten lassen sich noch nicht mal einreden, dass es der Umwelt zugute käme, wenn ihnen das Zimmermädchen nur alle drei Tage frische Handtücher bringt – Blick aus dem Fenster auf den Wasser fressenden Golfplatz genügt ja.
Angewandter Ethnokitsch
Was deutsche Urlauber aber nun überhaupt nicht wollen, ist, mit halb verhungerten Dritte-Welt-Bewohnern in deren Hütten zu sitzen und ihnen beim Hirsestampfen zuzusehen. Selbst ungezählte reich bebilderte Sozialreisereportagen in Hochglanzblättern für die Brigitten und Petras dieser Republik haben es nicht vermocht, Leserinnen in größerer Zahl für reisemäßig angewandten Ethnokitsch zu interessieren. Und das ist gut so. Was die Menschen zum Beispiel in Madagaskar, einer der ärmsten Regionen Afrikas, so nötig brauchen wie Leprageschwüre, sind Rudel verblasener Mittelstandsschnepfen aus Germany, die ihnen mit selbstverwirklichendem Esoterikblick und Digiknipse auf die fliegenumsirrte Pelle rücken.
So bleibt von der „Reisestudie“ des Herrn W. zum Glück nur ein trauriges Häuflein DuStu (Dummstuss) übrig, das leicht wegzufeudeln ist. Außer – halt! – einer allerdings sehr wahren Prognose. „Deutschland wird für die Deutschen auch in Zukunft Urlaubsziel Nummer eins sein“, sagt unser schlauer Studienmann voraus. Und hat Recht! Das nämlich ist schon seit mindestens 150 Jahren der Fall und gilt sinngemäß auch für die meisten anderen Länder. Mit Ausnahme von Liechtenstein, natürlich.
Liebe Düsseldorf Blog-Leser,
Dezember 24, 2007
da mein Laptop ausgefallen ist und ich an meinem jetzigen Aufenthaltsort nur einen alten Mac zur Verfügung habe, wird der Blog aktuell nicht gefüttert.
Nur so viel: Allen ein fröhliches und besinnliches Weihnachtsfest, ruhige und schöne Stunden im Kreis der Familie oder im vertrauten Freundeskreis!
Ich wünsche Allen einen lehrreichen Rückblick auf das Jahr und in Anbetracht des nahen Jahresendes auch einen positiven Ausblick auf 2008. Dabei wäre es durchaus gut, wenn wir uns für das kommende Jahr etwas wünschten uns aber gleichzeitig überlegen, was wir bereit und in der Lage sind zu tun, damit sich in dieser Welt einige Dinge zum Besseren wenden. Frei nach dem Motto: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
FROHE WEIHNACHTEN.
Melde mich wieder am zweiten Weihnachtstag.
Düsseldorf Damals – ein Plädoyer für den Erhalt des Gerresheimer Ringofens
Dezember 22, 2007
Die Wohnsiedlung „Am Wildpark“ neben der Bergischen Landstrasse in Gerresheim tritt im Winter 2007 in eine entscheidende Phase. Der denkmalgeschützte Ringofen der Firma Sassen liegt mittendrin. Der Ofen ist das letzte Beispiel dieser Art in Düsseldorf. Es ist nicht irgendein Industriedenkmal. Er markiert die Anfänge der Düsseldorfer Industriezeit des 18. und 19. Jahrhunderts, wie kaum ein anderes Denkmal.
Ohne Ziegel und Dachpfannen hätte es den schnellen Ausbau der Stadt im 19. Jahrhundert nicht gegeben. Deshalb sind alle städtischen Karten des 18. / 19. Jahrhunderts durchsetzt mit dem Wort „Ziegelei“.
Lange bevor die Belgier 1850 in Oberbilk die Düsseldorfer Schwerindustrie starteten, haben gleichfalls Belgier, die sogenannten „Ziegelwallonen“, die Ziegel und Dachpfannen gebrannt, die das Düsseldorf des 19. Jahrhunderts geprägt haben. Von der grauweißen Farbe der Fachwerk- und Strohdachhäuser im Jahrhundert zuvor wird Düsseldorf zur „Roten Stadt“ der Backsteine. Die Wallonen um die Stadt Lüttich herum hatten in punkto Ziegel wegen der Bodenschätze des Ardenner Waldes seit Urzeiten die Nase vorn.
Die Flutlehme und Sande, die der Rhein auf seinem vorletzten Flussbett (und das ist das Terrain der Stadt bis zum Grafenberger Wald) abgelagert hatte, waren ideale Voraussetzungen für die Ziegelherstellung.
Dieser Industriezweig war wegen der besonders harten körperlichen Arbeit schon immer Wanderarbeitern vorbehalten, bei uns waren es die Wallonen. Sie waren raue Gesellen, bei den Düsseldorfern nicht gerade beliebt.
Die Ziegel wurden anfangs mit einem offenen Feldbrand-Verfahren hergestellt, bis im 19. Jahrhundert der Ringofen erfunden wurde.
Nach dem Lehmabstich schleppten die robusten Kerle im Wettbewerb in so genannten „Lehmvögeln“ (Körben) den Lehm (oft über einen Zentner schwer) zu einem Holzbottich neben ihrer Ziegelbude, wo sie schliefen. Wer am meisten „buckeln“ konnte, war Tagessieger. Im Bottich traten die Ziegler den mit Wasser genässten Lehm, bis er die weiche Konsistenz hatte, die im Handstrichverfahren die Form ideal ausfüllte: das war die Aufgabe des sog. „Ziegelschlägers“. Ein guter Ziegelschläger fertigte in einer Stunde 100 Steine. Zwei Tage Antrockenzeit, Umdrehen, noch mal zwei Tage. Dann das Brennen im Feldbrandofen, der durch kleine Öffnungen mit Kohle befeuert wurde.
Um 1855 wurde der Ringofen entwickelt, ein Oval von etwa 20 Kammern, die hintereinander befeuert und gekühlt wurden, so dass kontinuierlich produziert werden konnte.
Die Erkrather Klosterstrasse war die Hauptstrasse der Ziegelherstellung, daher ihr alter Name Pfannschoppenstrasse (ab 1854 Klosterstrasse wegen des heute noch bestehenden Franziskanerklosters). Das Gebiet des Hauptbahnhofs war durch Ausziegelungen derart versumpft, dass beim Bau des Bahnhofs 1885 gewaltige Mengen Sand aus den Gerresheimer Höhen die Vertiefungen wieder ausgleichen mussten.
Gibt es einen Weihnachtsmann?
Dezember 22, 2007

Der folgende Briefwechsel zwischen Virginia O ´Hanlon und Francis P. Church stammt aus dem Jahr 1897. Er wurde über ein halbes Jahrhundert – bis zur Einstellung der “Sun” 1950 – alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung gedruckt. Ein Stück, das Sie Ihrem Kind bzw. Ihren Kindern am Heiligabend vorlesen können:
Die achtjährige Virginia aus New York wollte es ganz genau wissen. Darum schrieb sie an die Tageszeitung “Sun” einen Brief: Ich bin 8 Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der “Sun” steht, ist immer wahr. Bitte, sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?
Die Sache war dem Chefredakteur Francis Church so wichtig, dass er selber antwortete – auf der Titelseite der “Sun”:
“Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie glauben nur was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit Ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt.
Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen. Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben.
Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen? Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts.
Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen – das vermag nicht der Klügste auf der Welt. Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönsten Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter zu erkennen sein.
“Ist das denn auch wahr?” kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger.
Der Weihnachtsmann lebt, und er wird ewig leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.
Frohe Weihnacht, Virginia”.
Dein Francis Church.
Drei Witze rund um Weihnachten
Dezember 21, 2007
Der Gefahr entgehen
Du fährst mit dem Auto und hältst eine konstante Geschwindigkeit. Auf deiner linken Seite befindet sich ein Abhang. Auf deiner rechten Seite fährt ein riesiges Feuerwehrauto und hält die gleiche Geschwindigkeit wie du. Vor dir galoppiert ein Schwein, das eindeutig größer ist als dein Auto, und du kannst nicht vorbei. Hinter dir verfolgt dich ein Hubschrauber auf Bodenhöhe. Das Schwein und der Hubschrauber haben exakt deine Geschwindigkeit.
Was unternimmst du, um dieser Situation gefahrlos zu entkommen?
Ganz klar: Vom Kinderkarussell absteigen und weniger Glühwein trinken!
Herbergssuche
Josef und Maria sind auf Herbergssuche. Leicht genervt klopft Josef an die zwölfte Tür. Der Wirt öffnet, es entsteht folgender Dialog: Josef: “Habt Ihr Quartier für mich und meine Frau?” Wirt: “Nein, alles ausgebucht Josef: “Aber seht doch, meine Frau ist hochschwanger Wirt: “Da kann ich doch nichts für…” Josef ist empört: “Ich doch auch nicht!”
Keine Peilung
Sagt die eine Blondine zur anderen: “Dieses Jahr ist Weihnachten am Freitag.” Antwortet die andere: “Hoffentlich nicht am 13.”
Quelle: SpOn
Staraufgebot beim PSD Bank Meeting in Düsseldorf
Dezember 21, 2007

Kommt nach Düsseldorf: Olga Kotlyarova – Foto: George Herringshaw
Das PSD Bank Meeting am 8. Februar nächsten Jahres – ein wichtiger Test für die Leichtathletik-Hallen-WM in Valencia einen Monat später und ein Aufgebot der Stars.
Pünktlich zum Ticketstart können die Organisatoren die Verpflichtung weiterer hochkarätiger Sportler bekanntgeben. Mit dem Slowenen Matic Osovnikar wird über die 60 Meter der Männer einer der weltbesten Sprinter der vergangenen Jahre in Düsseldorf starten. Er ist Siebter der WM 2007, Bronzemedaillengewinner bei der EM 2006 und Sieger 2006 in Düsseldorf belegen seine internationale Klasse.
Auch ein weiblicher Top-Star kommt – die russische 800 Meter-Läuferin Olga Kotlyarova, Europameisterin 2006 und WM-Vierte in diesem Jahr, will in Düsseldorf den Titel (2007: Zweite). Für Meeting-Direktor Marc Osenberg sind diese Anmeldungen nur der Anfang. “Dass bereits jetzt so viele Spitzen-Athleten ihre Teilnahme zugesichert haben, beweist, dass unser Indoor-Meeting eine führende Stellung im Wettkampfkalender eingenommen hat”, freut sich Osenberg, der noch eine Reihe weiterer Topstars starten sieht. Titelverteidiger Jeff Hartwig (USA) erweitert zudem das deutsche Stabhochsprung-Duo Otto und Lobinger zu einem Trio.
Eurosport überträgt zwei Stunden live. Eintrittskarten sind ab sofort auf www.athletics-meeting-duesseldorf.de oder bei d:ticket unter der Hotline 01805 – 644332 erhältlich.
Mindestlohn – 850 Leute stehen schon mal auf der Straße
Dezember 21, 2007

Montage: turi2
Der Bundesrat winkte die Mindestlohn-Entscheidung für Briefträger und -Sortierer durch – und schon stehen die ersten 850 Leute auf der Straße, meldet der Mediendienst turi2.de. Sieben Unternehmen im Verbund des privaten Briefzustellers PIN haben laut Turi2 heute Insolvenz angemeldet.
Kater in Kabul – niemals Whiskas und dann das da
Dezember 21, 2007

Lob der Kommerzscheiße
Dezember 21, 2007

Wolfgang Röhl
Autor Wolfgang Röhl schreibt für den STERN und hat kürzlich einen norddeutschen Öko-Krimi veröffentlicht (“Im Norden stürmische Winde”), der gut zu lesen ist.
Den folgenden Beitrag veröffentlichte er zuerst auf der Achse des Guten, einem Autoren-Netzwerk von Henryk M. Broder, Michael Miersch, Dirk Maxeiner und anderen des Schreiben Mächtigen, denen gemeinsam ist, dass sie freudig gegen Political Correctness verstoßen und ihren Kopf ohn’ Unterlass zum Denken Nutzen.
Spätestens am vierten Advent pflegte mein Vater sel. seinen Lieblingsspruch zu klopfen: „Süßer die Kassen nie klingeln…“ So geißelte er die Schrecken des Konsumterrors; lange, bevor dieses Wort Karriere machte. Sein Lamento bündelte die Abscheu des Bildungsbürgers vor der Kommerzscheiße (ein ebenfalls erst viel später aufkommender Modebegriff) mit der Trauer über den Verlust vorweihnachtlicher Besinnlichkeit, die „das Fest“ nach treudeutscher Ansicht umwabern sollte wie der Geruch von Muttis selbstgebackenen Plätzchen. Dass Handel und Gewerbe sich erdreisteten, mit der heiligen Geburtstagsparty ihren Jahresend-Reibach machen zu wollen – Jesusmariaundjosef!
Brutaler Schenkzwang
Mitten im Wirtschaftswunder war diese Haltung orginell. Heutzutage wirkt sie nur mehr blöde. Was mich alle Jahresenden wieder nervt, ist nicht so sehr das Werbe- und Verkaufsgedöns. Einen Bart, länger als der des dienstältesten Weihnachtsmanns, hat für mich vielmehr das Jammern über die „Pervertierung des Festes“ durch nimmersatte Profitgeier; die ewige, öde Jeremiade von Kirchenfunktionären, Familienpolitikern, linken Soziologen, Feuilletonisten und anderen Volksverbesserern. Auch für den gehobenen Citoyen, Typ „Zeit“-Leser mit Tendenz zum Drittbuch, scheint ausgemacht: Weihnachten ist voll der GAU. Ein Gedränge in den Kaufhäusern, furchtbar! Kein Parkplatz in der Stadt zu kriegen, schlimm! Diese Weihnachtsmärkte, nichts als Nepp und Glühweinbesäufnisse! Und die Lichterorgien, was die an CO2 erzeugen! Letztlich reihen sich natürlich auch die Weihnachtsverächter ins Heer der Konsumtrottel ein. Sie müssen ja, leiderleider. Schon wegen der Kinder. Wie soll man sich denn wehren gegen den brutalen Schenkzwang? Arme, wehrlose Opfer der Konsumgesellschaft.
Satire für Sudanesen
Einem aus, sagen wir, dem Sudan muss das wie Satire vorkommen. Das Volk der Deutschen, das es mit vergleichsweise bescheidener Arbeitsleistung zu einem Lebensstandard gebracht hat, um den es vom größten Teil der Welt beneidet wird; dieses Volk findet den Geschenkerummel zum Reihern. Ach ja? Was ist denn so furchtbar daran, dass vier oder sechs Wochen im Jahr der Konsumbär tobt, auf dass der Laden namens Volkswirtschaft mal richtig brumme? Letztlich doch wohl nicht zum Schaden des Volkes. Irgendwann muss es sein verdammtes Geld ja mal raus tun, will es nicht schnurstracks in die nächste Rezession marschieren. Zuviel Geiz ist ungeil.
Korea: Klasse!
Vorschlag: wer dem Lichterkerzenterror und der Shoppinghölle entkommen will, möge zum Beispiel nach Nordkorea düsen. Glühweindüfte werden ihn dort garantiert nicht belästigen. Erfrischend ungestresste Menschen flanieren dort an leeren Regalen entlang. Kein „White Christmas“-Gedudel, nirgends. Aber die Taschenlampe nicht vergessen! Bei den Kims fällt ziemlich oft der Strom aus.




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