15.000 Rosen und der Ball, der alle Herzen erobert hat

Juni 15, 2012 by  

Auch wenn man bei dem Wort „Ball“ in den letzten Tagen nur an die EM denkt, mache ich mich auf den Weg nach Berlin zum Rosenball, dem wohl schönsten Ball des Jahres zugunsten der Deutschen Schlaganfall Hilfe. Liz Mohn, Bertelsmann- Chefin, Gründerin und Präsidentin der Schlaganfall-Hilfe, hat eingeladen und trotz des EM Spiels Deutschland – Portugal haben nicht nur Frauen zugesagt. Die Gästeliste ist hochkarätig und ich freue mich schon auf Berlin und dieses Charity Event.

Im Gepäck nun statt Deutschland Trikot mein langes, rotes Abendkleid und meine allerliebsten goldenen Schuhe. Was heißt hier Gepäck? Nein, da bin ich ganz Profi, denn wir alle kennen das ja, wenn der Koffer nicht ankommt und eine freundliche Mitarbeiterin der „lost & found“-Abteilung einem versichert, dass das Gepäck mit großer Wahrscheinlichkeit „… morgen mit der letzten Maschine“ eintreffen werde. Der Rosenball ist aber heute Abend in Berlin und so sitze ich am Flughafen Düsseldorf und halte mein rotes Schätzchen fest im Arm. Was man hat, hat man – und verlorenes Gepäck was morgen angeliefert wird, kann ich nicht gebrauchen. Die goldenen Schuhe trage ich bereits zu meinen Lieblingsjeans und  beobachte, wie einige Damen etwas „mitleidig“ die Höhe meiner goldenen Schätze betrachten. Egal, sollen sich alle wundern. Was ich jetzt anhabe, muss ich nicht tragen, was ich nicht tragen muss, kann ich nicht verlieren und nur so bin ich auf der sicheren Seite mit meinem Gala-Outfit stressfrei und pünktlich auf dem roten Teppich zu erscheinen, anstatt in letzter Sekunde durch die Stadt „zu schießen“ um einen SOS Kleiderkauf zu tätigen, dieses dann mit Teppichklebeband kürzen zu müssen, um dann zu spät und gestresst auf dem Event zu erscheinen…

Das hatte ich alles schon, in genau dieser Reihenfolge und aus Schaden wird man ja klug und somit auch zum Reiseprofi. Im Flieger schlafe ich noch vor dem Start und wache erst bei der Landung auf. Ja, ich weiß, dafür bin ich zu beneiden.

Ich, als echte Berlinerin und Wahl-Düsseldorferin, komme immer gerne „nach Hause“. Alleine die Taxifahrer in Berlin sind es schon wert, in diese Stadt zu reisen. „Zum Intercontinental bitte“, sage ich und bemerk, dass ich einen waschechten Berliner erwischt habe. „Ja, ja ick wehs‘ – Rosenball is in Bärlin. Ne jute Sache, wat die von Bertelsmann da machen. Is ja Schärity für Schlachanfall. Men Bruder hat och mal so nen Schlach jehabt. Is ne schlimme Sache und echt jut, dat de Leute wissen wat se machen solln, kene Zeit verliern. Nich einfach nur in det Bett und kicken dat det von allene weg jeht – jeht det nämlich nich… bei menen Bruder war det die Rettung, dat der schnell wa. Hab jehört, dat Kinder dit och treffen kann… wat schlimm… naja ick sach ja imma – det Wichtichste is de Jesundheit!“.

Auch wenn ich selber diesen Berliner Dialekt nicht spreche, ich liebe ihn.

Berliner tragen doch ihr Herz auf der Zunge. „Ick hab heute och schon det super Model jefahren. Die kommt och zum Ball – ick hab se jefragt. Hübsches Ding und nett war se och!“. Sein Gesicht strahlte und mir war klar, er spricht von Franziska Knuppe.

Vor dem Hotel hält er an, dreht sich kurz zu mir um und sagt „… aber wenn se mich fragen, ick find ja die Leandros echt dufte. Vicky Leandros , kenn se doch och?! Da kann doch det janze junge Jemüse nich mithalten und wissen se wat? Die kommt och heute zu de Schärity Ball, hab ick in der BZ jelesen!“. Ich zahle und lächle das Berliner Unikum an. Juhnke hätte es nicht besser gesagt, denke ich. „Theo, wir fahrn‘ nach Lodz“, trällert er fröhlich und dann fährt er weg.

Ich beziehe mein Hotelzimmer und schon klingelt mein Telefon. „Süße, ich sterbe vor Hunger, wo bist Du? Ich habe die 611 !“. Meine Freundin Barbara ist am Telefon. „Grad‘ angekommen, Curry Wurst?“, frage ich.

„Leider nicht möglich – komm her und Du weißt warum..“. Lachend legte sie auf. Zwei Minuten später stand ich vor ihrer Zimmertür. Der Haarstylist hatte ihr Kleenex Papier auf den Kopf geheftet. Darunter befand sich anscheinend die Frisur, die zum Kleid passend ist – zumindest wenn man sie so trocknen lassen würde.

Also nichts mit Currywurst. Wir bestellten beim Roomservice.

Ich eine Hühnergemüsesuppe und sie einen Salat. So und nun stellen Sie sich bitte vor, wie Ihnen das Wasser im Mund zusammen läuft, wenn Sie hungrig an eine leckere Suppe denken. In Gedanken sah ich knackige Möhrchen neben saftigem Huhn und für Barbara einen Berg Markt-Salat. Geliefert wurde dann ein „Tässchen gut duftende Brühe“  und zwei kümmerliche Blättchen Salat. Alles sehr aromatisch aber mit „auch nur annähernd satt werden“ hatte das nichts zu tun. Zumindest mussten wir keine Angst haben, eine Magenerweiterung zu bekommen.

Hungrig ging ich auf mein Zimmer, plünderte die Nüsse aus der Minibar, stopfte noch das Snickers hinterher, zog mein Kleid über und hielt mir den Fön in die Haare. Im TV läuft eine Kochsendung – ich schalte einen anderen Sender ein. 15 Minuten später duftete ich nach Vanille, habe ellenlange Wimpern und bin abmarschbereit. Schon unten im Foyer ist eine riesige Meute Fotografen und ein heftiges Blitzlichtgewitter, denn Sylvie van der Vaart betritt den roten Teppich.

„Wow, ist die hübsch!“, denke ich und schillernd erscheint auch schon Franziska Knuppe, dicht gefolgt von „Wowi“, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit. Für Aufsehen sorgt dann Birgit Schrowange und ich muss wirklich sagen, „… die ist echt richtig hübsch  und unendlich natürlich“. Es herrscht Bewegung auf dem roten Teppich.

Der Star Pianist Lang Lang steht neben mir und ich frage mich nach was er duftet. „Sehr sinnlich“, denke ich und hole tief Luft. Etwas entfernt von mir lächelt Katja Burkhard in die Kameras und wirkt wirklich sehr elegant und sexy in ihrem schulterfreien Kleid. Ein Hauch von Hollywood weht über den Teppich und von rechts nähert sich Sir Christopher Lee mit seiner Frau. Ein toller Mann, eine tolle Ausstrahlung und ein ehrliches Lächeln. Eines wird sofort klar: Hier tummelt sich echtes Engagement, das merkt man sofort und hier geht es um weit mehr, als um das klassische „Gesehen werden“.

Wissen Sie, wie 15.000 Rosen riechen? Ich weiß es jetzt und werde es niemals vergessen. Beschreiben kann man dies nicht. Für kurze Zeit hat man das Gefühl, die Welt bestehe nur noch aus Rosen. Aber die Realität kann auch  anders aussehen und  das zeigt uns der kleine Informationsfilm.

Doch auch genau dieser kleine Film öffnet dann nicht nur mein Herz, sondern die Herzen aller Gäste, egal ob reich oder prominent. Auf einmal sind alle Menschen gleich im Saal und ich beobachte, wie sich ein Mädchen vom Service eine Träne aus dem Gesicht wischt und auch Sabine Christiansen tief gerührt ist. Das Schicksal der kleinen Kim und vieler anderer Kindern, die von einem Schlaganfall überrascht wurden, berührt jeden hier im Saal. Ich denke an meinen Taxifahrer heute, der gesagt hat „… det Wichtichste is de Jesundheit“.

Liz Mohn sieht nicht nur umwerfend aus, sie spricht auch so wahre Worte. „Jeder Schlaganfall ist ein Schlaganfall zu viel“, sagt sie und uns allen wird wieder einmal bewusst, welches Glück wir haben, gesund durchs Leben gehen zu können. Eine Ansprache mit Tiefe, viel Gefühl und Herz und als „der Graf“ mit Unheilig auf der Bühne singt und alle Kinder aus dem Film um ihn herum stehen, wird auch dem letzten Fußballfan im Saal klar, dass es sich gelohnt hat, auf das Spiel im Ganzen zu verzichten.

Und ehrlich: Ganz verzichten mussten wir alle nicht auf König Fußball, denn die Tore und großen Momente wurden uns immer auf Leinwänden eingespielt. Es war ein ganz besonderer Charity Ball und es ist nicht das Ziel „mitzuleiden“, sondern zu sagen: „Zusammen können wir Vieles  bewegen!“ und alle Gäste sind gerne Botschafter  dieser Message.

So wurde noch lecker gegessen, viel geredet, geflirtet und getanzt und als dann Sir Tom Jones gegen Mitternacht auf der Bühne erschien, standen auch die restlichen Männer auf oder zumindest an der Tanzfläche. Den „Hitmaker Award“ der Songwriters Hall of Fame hat er mit Recht bekommen! Tiger Tom lässt den Saal toben und alle Gäste rocken richtig ab. Bei „Sex Bomb“ singt schließlich der ganze Saal: „Sex bomb, sex bomb you re my sex bomb… Baby you can turn me on…“!

Von Barbara Becker bis Berlins Bürgermeister Wowereit. Egal, ob Politik, Wirtschaft oder Show – alle tanzen durcheinander, der Saal swingt …

Tanzen macht hungrig und mit Currywurst endet diese Nacht im Foyer noch lange nicht. Wie lange es ging? Ich weiß es nicht genau, denn gegen 3 Uhr standen zumindest meine Schuhe am Bett und ich unter der Dusche.

Die Nacht war kurz und trotzdem habe ich viele gut gelaunte Gesichter am Morgen gesehen. Ein Schauspieler gab  in der Lobby noch ein Interview und ich hörte wie er sagte „700 Menschen erleiden täglich in Deutschland einen Schlaganfall, wussten Sie das? Darunter viele Kinder.. das sind doch einfach 700 Menschen zu viel!“.

„So muss es sein“, denke ich. „Wir alle sind jetzt Botschafter zum Thema Schlaganfall!“.

Wieder steige ich in ein Taxi und wieder habe ich Glück und erwische einen echten Berliner: „Na, wa det schön in Bärlin? Hats jefallen?“, fragte er offenbar wirklich interessiert. „Warn se och uf dem Schärity Ball? Zeitungen sind ja voll davon!“ und er reicht mir eine Tageszeitung nach hinten. Ein zauberhaftes Bild von einer großartigen Gastgeberin Liz Mohn ist auf der Titelseite. Ich lehne mich zurück und schließe die Augen und denke an ihren Satz „Liebe öffnet Herzen“. Ein zauberhafter und glamouröser Ball der geöffneten Herzen mit viel positiver Energie wird fest in meiner Erinnerung bleiben.

„Ick würde sie ja jerne schlafen lassen, aber ick vermute der Flieger wartet nich uff sie!“, sagt der Taxifahrer freundlich. Wir waren am Flughafen. „Sie sind ein Schatz“, sage ich freundlich „… und ja, es war schön hier in ihrer Stadt!“– „und auch in meiner Stadt“, denke ich noch, denn als Berlinerin habe ich irgendwie immer einen Koffer in Berlin.

Und wissen Sie, was ich Ihnen nun empfehle? Den Film, den wir auf dem Ball gesehen haben und bitte, seien auch Sie Botschafter, der Schlaganfallhilfe. Nur niemals vergessen: Mitleid hilft keinem weiter,aber Ihr Mitgefühl kann vieles bewegen.  http://www.youtube.com/watch?v=_MXKAdDRJgY

Was ich am Wochenende mache?

FUSSBALL GUCKEN, denn an diesem Wochenende ist der Ball wieder rund.

Getränk: Weinschorle mit wenig Wein und viel Wasser und Eiswürfel.

Outfit: Deutschland Trikot

Kommentare

One Response to “15.000 Rosen und der Ball, der alle Herzen erobert hat”

  1. gisela Beutel on Juni 15th, 2012 21:41

    Ich weiss nicht, mir fehlen die Worte,so wunderschön ist diese Kolumne.
    Lustig abe besinnlich , Toll Danke für die schönen Worte. Es ist immer wieder schön Ihre Kolumnen zu lesen. ich freue mich schon immer auf den Freitag. Für mich wie ein amüsantes aufklärendes Buch.
    Ich freue mich schon auf den nächsten Freitag.
    Tschüss