Irgendwie…

Oktober 26, 2012 by  

Manchmal erlebe selbst ich eine ganze Woche nichts.

Gar nichts!

Das kann ich dann selber nicht glauben, denn es ist schon Mittwoch und irgendwie ist wirklich bisher nichts passiert. “Nichts“ kann aber auch irgendwie ganz schön sein. Ich lese alle Zeitungen quer, fahre zu meinem Büro, ohne von der Polizei angehalten zu werden, die Blitzanlage im Rheinufertunnel ist mir auch gewogen und selbst mein Joghurt im Kühlschrank ist erst einen Tag abgelaufen. Meine Freundinnen haben keinen Liebeskummer, meine Mama beginnt das Telefonat nicht mit dem Satz “Irgendwie geht mein Internet nicht!“.

Also eine perfekte Woche. Meine Haare haben frische Strähnen, mein Gewicht stimmt und es gibt keinen Grund zur Aufregung. Wenn da nicht der Donnerstag (gestern) gewesen wäre. Während ich also nichtsahnend noch mal schnell mal durch die City sause und an wirklich nur Harmloses denke, steht er irgendwie vor mir. ER, das ist mein, ein Ex, Andreas! Wir laufen uns ab und zu über den Weg. Meist ist das dann „recht nett“ mit „hohem Flirtfaktor“. Nur heute ist irgendwie alles anders. Sind wir uns etwa fremd geworden? „Ich habe Dich irgendwie vermisst!“, sagt er mit seiner leisen, erotischen Stimme. „IRGENDWIE?“, denke ich und ich frage mich, wie kann man irgendwie jemanden vermissen?

„Man vermisst, oder man vermisst nicht“, denke ich und ich gucke zu ihm hoch. War er schon immer so groß? Er lacht anders!  Hat sich auf einmal mein Blickwinkel geändert?  Ich kann mich noch nicht mal mehr an unsere Küsse erinnern und die waren wirklich irgendwie einzigartig, glaube ich. Es ärgert mich nicht, dass sie „einzigartig“ waren diese Küsse, sondern dass ich sie irgendwie nicht mehr spüren kann.

„Du riechst noch genau wie damals“ Andreas streicht mir durch die Haare.“ Es ist was Besonderes zwischen uns!“.

„Andreas, ich muss los –Termine!“ lüge ich „aber erfüllst Du mir einen Wunsch?“. „Jeden Wunsch erfülle ich Dir!“ und fragend guckt er mich an.

In meiner Erinnerung habe ich etwas ganz Besonderes, einen Gedanken,  den ich nicht vergessen kann. Etwas, das ich geliebt habe und jetzt wollte ich es wissen: „Zieh mal einen Schuh aus, BITTE frag nicht, zieh aus!“.

Andreas schiebt mir seinen Schuh rüber. Alleine dafür müsste ich ihn schon lieben, er war eigentlich immer sehr entspannt und daran hat sich nichts geändert.

Vor mir liegt nun sein Schuh.

Ich ziehe auch einen Schuh aus und stecke meinen kleinen Fuß in seinen viel zu großen Turnschuh, denn genau das habe ich früher immer irgendwie so sehr geliebt und genau daran kann ich mich erinnern.

22… 23… 24… Über Sekunden stehen wir so da und ich höre in mich rein. Ich gucke runter auf meine Füße, auf meinen und seinen Schuh.

Da ist sie wieder, meine schöne Erinnerung an unsere irgendwie besonderen Momente. Ich habe am liebsten seine Schuhe angehabt und wenn es nur kurz war, um etwas aus dem Auto zu holen. Es fühlte sich an, wie gerade jetzt wieder in diesem Moment.

Erklären kann ich das nicht. Es gibt Dinge, die muss man irgendwie fühlen, damit man sie dann auch leben kann. Langsam ziehe ich seinen Schuh wieder aus, schiebe ihn vorsichtig zu ihm hin. “Jawohl“ denke ich. Er steht sprachlos da. Ich gucke ihn an und nehme ihn fest in den Arm und langsam tauchen wieder viele Bilder vor mir auf: Unvergessliche Küsse und schöne Momente.

„Pass auf Dich auf, Großer und denke immer daran, es sind die kleinen Dinge im Leben, auf die es ankommt!“. Andreas und ich, wir hatten irgendwie unsere Chance aber zusammengepasst haben wir nicht.

Irgendwie… hat alles im Leben seinen Sinn.

Wochenende und ich werde mal in München sein, durch Schwabing bummeln und in meinem Lieblingsladen Schumanns einen Abend verbringen. Ob es da auch Prinzen und Helden mit großen Turnschuhen gibt?

 

Kommentare

2 Responses to “Irgendwie…”

  1. IBAN on Oktober 28th, 2012 07:42

    IRGENDWIE muss ich über diesen Beitrag schmunzeln, aber IRGENDWIE macht er mich auch richtig traurig…. IRGENDWIE bist Du eine wunderbar einzigartige Frau ;=)),
    alles Liebe Iban

  2. Ulrike Reisenauer on Oktober 31st, 2012 19:05

    Schön wenn man “irgendwie” aus “nichts” eine kleine Geschichte zaubert! :)
    Weiter so!

    LG
    Uli vom Stanglwirt (jetzt, irgendwie in Mexico gelandet)