Range Rover und Rosé-Champagner

November 9, 2012 by  

Ich möchte jetzt eigentlich nicht diese typischen Klischees auspacken, über Rückwärtseinparken und Schuhekaufen, aber irgendwie ist da ja auch etwas dran. Sorry, liebe Frauen, aber ich erlebe wirklich ständig weibliche Wesen, die auf der Kö selbst beim fünften Versuch nicht in die Parklücke kommen und das ärgert mich enorm.  Meist stehe ich direkt dahinter – wie gefangen – und komme nicht weiter. Und wissen Sie was? DAS klaut mir dann meine kostbare Zeit für das Schuhgeschäft und wie ärgerlich das ist, das wissen Sie selbst am Besten. Ich darf das sagen, ich bin eine Frau und auch wenn ich kaum einen Audi von einem Mercedes unterscheiden kann, einparken, das kann ich!Trotzdem gibt es Momente, da kommt es einfach auf jede Minute an. Wenn Sie einen Flug bekommen müssen, ein wichtiges Meeting haben oder der Schuhladen in wenigen Minuten schließt. Und während ich mich mal wieder hinter einem Porsche auf der Kö im typischen „Fast-Feierabend-Schneckentempo“ herum ärgere, habe ich nur zwei Ziele:

1)    schnell einen Parkplatz finden – direkt vor PRANGE (cooler Schuhladen auf der Kö)

2)    in den mir verbleibenden 30 Minuten bis Geschäftsschluss, den bestickten Stiefel mein EIGENTUM nennen.

Ich schicke also einen Wunsch an das Universum:

„Liebes Universum, es war echt kein so schöner Tag heute, aber ich war fleißig und auch eigentlich ein recht netter Mensch. Vielleicht belohnst Du mich mit einem Parkplatz, gerne auch im Halteverbot – ich habe ja eh nur noch 30 Minuten Zeit und deshalb wäre es wichtig, dass er in der Nähe des Schuhladens ist. Also, liebes Universum, das wäre mein Wunsch. Lässt sich da was machen?“

 Doch das Universum scheint gerade viel zu tun zu haben. Ich rutsche im Stau an dem Schuhladen vorbei und nun ist er noch nicht einmal mehr im Rückspiegel zu sehen. Der Porsche vor mir scheint auch erfolglos das Universum gefragt zu haben und selbst das Halteverbot ist zugeparkt.

Ich fahre also eine große Schleife, der Porsche hat die gleiche Idee und ich „staue“ hinterm ihm her. Noch 20 Minuten bis Geschäftsschluss. Noch stehen meine Chancen gut, die Ampel ist grün und damit meine ich meine Ampel, die grün ist  und nicht die Fußgängerampel! Fußgänger haben aber die „eingebaute Vorfahrt“ und ab sofort bin ich dafür, dass den Fußgängern die bei ROT gehen, alle Einkaufstüten für immer weggenommen werden! Ich denke, dann würden sie nicht so hemmungslos und verboten uns Autofahrern ihre Regeln aufzwängen, wenn sie ohne ihre „Beute“ nach Hause gehen müssten. Gibt es eine Partei die das im Programm aufnimmt? Ich würde sie wählen! Ich mache das!

Meine Ampel ist wieder rot, ich bin nicht vorwärts gekommen und ich werde nervös.

Noch 16 Minuten bis Geschäftsschluss. Der Porsche vor mir fährt trotz orangeroter Ampel und auch wenn ich schon “fast halb“ auf der Kreuzung stehe, mache ich sowas nicht. Dieses  an der Ampel “rüber rutschen“ hat mir schon viel Ärger eingebracht und ich möchte nicht neben Autorasern mit tiefergelegtem Fahrwerk (heißt das so?) in der Führerschein-Nachprüfung für Wiederholungstäter enden.

Noch14 Minuten bis Geschäftsschluss und noch liegen die neuen „Stiefelchen“ nicht auf meinem Beifahrersitz. Wieder laufen die Fußgänger, diesmal berechtigt denn sie haben grün. Nur dieses Mal müssen sie um mein Auto herum laufen und ich beobachte kopfschüttelnde, Tüten schleppende Menschen. „Selber Schuld“, denke ich und grinse alle meckernden Fußgänger freundlich an. Diesmal bin ich klüger und kaum schaltet die Fußgängerampel auf rot, rolle ich langsam an, um mein Vorhaben nun endlich mal die Kreuzung überqueren zu dürfen, klar zu vertreten. Eine Frau mit einem  Kinderwagen hindert mich daran, sie muss einfach trotz roter Fußgängerampel noch schnell rüber auf die andere Seite. Ich bremse wieder und bekomme beim Blick auf meine Uhr Bauchweh. 13 Minuten. Der Idiot hinter mir hupt!

Was soll ich machen? Was denkt der Irre hinter mir? Soll ich den Kinderwagen auf meiner Haube spazieren fahren? Der hinter mir hupt wieder. So und nun werde ich richtig sauer und das ist kein gutes Zeichen. Ich steige aus und  gehe zu dem hupenden „Gernegroß“. Ein Range Rover, mit Mann am Steuer. Seine Hände fuchteln in der Luft herum und mit Sicherheit flucht er gerade wie ein Wilder vor sich hin, weil ich nicht den Kinderwagen überfahren habe und nun auch noch aussteige.

Doch nun sieht er mich und sein Gesicht hellt sich auf. Seine Scheibe fährt runter und ich lümmle mich fast etwas zu lässig an sein Fenster. Dabei schenke ich ihm mein schönstes Lachen und das Klimpern mit den Wimpern bekommt er kostenlos dazu. „So schade, dass Sie es so eilig haben… so ein Glas Schampus zum Feierabend…?“. Mit meinem Finger male ich ihm ein „?“ auf seinen Rückspiegel. „Aber wer sagt denn, dass ich es eilig habe, wir sollten…“ hinter uns hupt es. „IDIOT“ faucht er. „Böses Wort für einen artigen Mann!“, sage ich leise und füge hinzu „… in 30 Minuten an der Bar im Breidenbacher Hof? Ich trinke Champagner – Rosé mit Eis!“. „Ist quasi schon bestellt, schöne Frau!“, höre ich ihn noch voller Freude rufen, als ich zurück zu meinem Auto gehe. Ich werfe ihm noch einen coolen Blick über die Schulter zu, erwische die Ampel bei dunkelgrün und freue mich, dass wieder Fußgänger ihren eigenen Regeln folgen und der Range Rover am Weiterfahren gehindert wird. Nun aber schnell! Noch 10 Minuten, dann schließt mein Schuhladen. Der Range Rover Rüpel soll schon mal Rosé-Schampus bestellen und auf das warten, was nicht passieren wird. Nicht eine Sekunde hatte ich vor auch nur ein Glas Wasser mit ihm zu trinken. Strafe muss sein!

Da ist er wieder, der Porsche vor mir im Stau und genau neben dem Schuhladen fährt eine M-Klasse raus! „Universum, ich danke Dir. Noch 8 Minuten, Schuhe ich komme…!“. Doch was macht der Porsche? Er will den Parkplatz, meinen Parkplatz.

Der eindeutig von mir beim Universum bestellte Parkplatz vor dem Schuhgeschäft.

Der Porsche steht nun neben der freien Lücke. Vermutlich will der Fahrer checken, ob der leer gewordene Parkplatz der M Klasse nun auch groß genug ist. „Ist er! Fahr rein, oder lass es sein!“, denke ich und habe die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben. Immerhin noch 5 Minuten. Der Porsche vor mir würgt den Motor ab.

„Eine Frau…“, denke ich und trommle mit den Nägeln ungeduldig auf mein Lenkrad. Der Porsche bewegt sich einen halben Meter vor und schlägt die Räder ein. „Zu früh“, sage ich laut und ziemlich verzweifelt und denke an die endlosen Einparkvideos bei YouTube. Der Porsche fährt ruckelnd wieder raus. Noch 4 Minuten, es gibt keine andere Chance. Ich springe aus dem Auto und bin in wenigen Schritten beim schwarzen Flitzer. Am Steuer… eine ziemlich hilflose Frau. „Der Schuhladen…!“, stammelt sie und ist sichtbar verzweifelt. „Ich mach’ das“ und sie versteht sofort was ich meine und steigt aus. 15 Sekunden später steht der Porsche in der Lücke und mein SLK mit Warnblinker in zweiter Reihe daneben. Als hinter mir der Laden abgeschlossen wird, bin ich glücklicher Stiefelbesitzer! „Danke, Universum!“

Zu guter Letzt: Am Breidenbacher Hof bin ich auch noch vorbei gefahren. Der Range Rover stand direkt vor dem Eingang. Grinsend habe ich nicht gehalten und bin mit meinem Stiefeln vor Freude quiekend heimgefahren.

Wie Frauen einparken? Ich finde das darf man zeigen: http://www.youtube.com/watch?v=Nw-WKraUXko

Und mein persönlicher Tipp für das Wochenende: Am Samstag, den 24. November findet die „Dolphin`s Night 2012“, eine beachtenswerte Charity-Veranstaltung im Interconti Düsseldorf statt. Viele Promis werden dabei sein. Von Barbra Becker bis Howard Carpendale. Wollen auch Sie behinderten Kindern einen Glücksmoment schenken? Dann unterstützen Sie bitte wie ich Dolphin Aid!

 Noch gibt es wenige Karten zum Preis von 225.-€ bei siebert@dolphin-aid.net oder unter 0203-74 62 80. Und vielleicht lernen wir uns dort ja kennen…

 

Kommentare

2 Responses to “Range Rover und Rosé-Champagner”

  1. Hans-J. Wiethoff on November 9th, 2012 10:08

    Liebe Frau van Moll – ich lese Ihren Beitrag über den Einkaufstress und schmunzel.
    Darf ich Ihnen einen Tip geben? Ich denke Sie brauchen nicht das haptische
    Erlebnis ;-) ) und deshalb sollten Sie mal entspannt in unsere
    Fashion Square Online Mall schauen
    http://www.fashion-square-online-mall.de/
    Lieben Gruß Hans-J. Wiethoff

  2. Thomas on November 9th, 2012 11:32

    Liebe Frau van Moll,

    als Ihr linksrheinischer Fast-Nachbar schätze ich Ihre Geschichten immer sehr, und freue mich, Ihre Sicht auf gemeinsame bekannte Orte und Personen zu lesen.

    Aber das: “mit Warnblinker in zweiter Reihe daneben” muss doch wirklich nicht sein. Sie haben bestimmt auch schon einmal fluchend auf der Luegallee gestanden, weil irgendein blöder Hansel im Berufsverkehr “nur mal kurz” in zweiter Reihe gehalten und damit den ganzen Verkehr aufgehalten hat, oder sind abends vor der Casa Galicia Slalom gefahren, weil es die Gäste nicht nötig hatten, einen Parkplatz zu suchen.
    Also, bei allem Schmunzeln über die schöne Geschichte, und nehmen Sie mir es bitte nicht übel – aber beim nächsten Mal denken wir vielleicht doch ein bisschen nach und parken in einem von den fünf Parkhäusern, die in hundert Metern Umkreis von Prange sind, und zwingen nicht hundert andere Menschen, um unser Auto herumzukurven, OK? Von da aus schaffen wir es auch in unter 20 Minuten ins Schuhgeschäft.
    Mit besten Grüßen aus der Wildenbruchstraße

    TB