Shoppen mit Harald …

Dezember 14, 2012 by  

Es ist soweit, der Weihnachtswahnsinn hat auch mich doch noch gepackt. Mit einer “To Do“-Liste die ungefähr die Länge einer Rolle WC Papier hat, beschließe ich nun mich in die Stadt zu wagen. Kurz überlege ich, ob ich einen “Kampfanzug“ anziehen, oder zumindest meinen orangen Gürtel – den ich mir als Kind im Karateverein erkämpft habe – anlegen sollte, um klar deutlich zu machen, dass angerempelt werden auf meiner “Wunschliste“ nicht an erster Stelle steht.

Trotz Kälte jedoch entscheide ich mich für meine neue Frühjahrsdaunenjacke 2013 von Frieda & Freddies, denn schließlich bin ich ja in Düsseldorf unterwegs und da lasse ich mich modisch nicht „lumpen“… So und falls Sie nun wieder eine hupende und Parkplatz suchende Geschichte erwarten, muss ich Sie enttäuschen. Klar wurden wieder unsere mit blinkenden Nikolausmützen unübersehbaren und  kaufwütigen Nachbarn, die Holländer, „busseweise rangekarrt“, doch mein Parkplatzwunsch ans Universum wurde erhört und direkt auf der Kö entdecke ich einen Parkplatz. Selbst die Sachlage, dass die Schnauze von meinem Auto auf einem Taxistand steht, hält mich nicht davon ab, diesen Platz zu beschlagnahmen. Bewaffnet mit meiner Liste bahne ich mir also einen Weg durch die Menschenmenge und ganz ehrlich, am liebsten wäre ich direkt wieder ins Auto gestiegen und nach Hause gefahren, hätte einen kurzen Stopp bei McDonalds gemacht und mich zu Hause gemütlich auf die Couch geworfen und mir abwechselnd Pommes und Schokolade in den Mund gesteckt.

Nur eines weiß ich auch genau: Vor Weihnachten wird es nicht mehr weniger mit den gestressten Menschen, die auf Geschenkejagd sind! Eine von denen war nun auch ich?

Tüten-schleppend, nass geschwitzt und womöglich noch schlecht gelaunt? Nein, niemals. So will ich nicht enden, das bin nicht ich. Meine Glücksbegabung lässt den Schlendrian in mir wach werden, gemütlich verschlinge ich Reibekuchen, Glühwein und gebrannte Mandeln und stelle dabei fest, dass sich so meine „To Do“-Liste nicht verkleinert. Der Gedanke daran, meine Tüten schleppen zu müssen, diese dann meine Hände abschnüren und die zur Belohnung auch noch blau anlaufen, steigert nicht meine Einkaufsvorfreude.

Der Blick auf das Ponyreiten bringt mich auf eine glänzende Idee. So ein Pony muss her. Zumindest  leihweise. Ich werde es mit meinen Tüten beladen und das süße Tierchen mit dem Elchgeweih wird mein niedlicher Lastesel. Ich denke, das Pony geht bestimmt lieber shoppen, statt stundenlang im Kreis zu laufen. Jedoch ist mein Blitzgedanke kein Volltreffer, denn meine neue Geschäftsidee gefällt dem Chef vom Pony gar nicht. Zumindest will er es mir nicht „leihen“. Ich versuche alles. „Schade“, denke ich und verstehe nicht, wieso er sich für meine geniale Geschäftsidee „Shopping-Ponys“ nicht begeistern kann. „Hast Du mal nen Euro?“, höre ich eine Stimme neben mir. Ich bleibe stehen und gucke in das Gesicht von einem leicht verwahrlosten Bettler, der mir einen vergammelten Pappbecher entgegen hält. Vermutlich verspiele ich nun all meine Sympathien bei Ihnen, wenn ich ehrlich sage:

Ich find’s fürchterlich, wenn jemand, der beide Arme und beide Beine hat, auf der Straße bettelt!“. Bettler gibt es in jeder Stadt, ich weiß. Auch weiß ich, dass jeder von uns in starke finanzielle Schwierigkeiten kommen kann. „Und, hast Du nun nen  Euro?“. Durch mein abruptes Stehenbleiben schien er motiviert, mir diese (von mir verhasste Frage) gleich nochmals zu stellen.

„Ja, habe ich, sogar 2 Euro, 3 und 4 Euro und ich biete Dir 5 Euro die Stunde, wenn Du meine Einkaufstüten trägst, ich zahle Dir 5 € die Stunde!“ höre ich mich selbst sagen. Der Bettler, zögert kurz. „Und?“, frage ich frech, ziehe die Augenbrauen hoch, gucke ihn an und er sagt „Ok, ich mach das!“. Auf dem Weg zum Kaufhof erzählt er mir , dass er Harald heißt, 47 Jahre alt ist und früher mal eine Tankstelle hatte und während ich zielstrebig die Kundentoilette ansteuere, redet er von seiner Frau, die er immer „Helly“ genannt hat und die jetzt mit einem Musiker in Frankfurt lebt. In einer 4 Zimmer Wohnung.

„Verstehe Harald, aber jetzt gehst Du mal Hände waschen!“ und mit den Augen deute ich auf das Herren WC vom Kaufhof. Harald verschwindet brav hinter der braunen Tür und ich warte geschlagene 10 Minuten und als ich grad zu dem Entschluss komme, dass Harald bestimmt durch einen Seitenausgang geflüchtet ist, erscheint er wieder. Der arme Kerl hat sich anscheinend nicht nur die Hände sondern auch gleich das Gesicht und die Haare gewaschen. Harald kann man nicht zuordnen. Irgendwie sieht er so schräg angezogen aus, dass es in Düsseldorf schon fast wieder Kult sein könnte. Wir ziehen also los und der klitschnasse Harald entpuppt sich als perfekter “Tütenträger“, der zwar nicht so hübsch ist wie das Pony, aber mit Sicherheit uns geschickter einen Weg durch die Menschenmassen bahnt und geduldig für mich an der Kasse ansteht.

Dann geschieht natürlich noch das, was passieren muss. Wir treffen meine Freundin Chris. „Oh, Angela Du im X- Mas Chaos, das ist aber ungewöhnlich!“. Ich stelle ihr Harald vor. Neugierig mustert Chris den „modisch aussehenden“ Harald. Das war klar. „Freundin, Harald ist….!“. Ich überlege, was ist denn Harald nun? Mein Bruder, mein Nachbar? „Künstler!“, sagt Chris freudig “sieht man doch“. Chris begrüßt Harald mit einem Küsschen links und rechts und nach einem kurzen Plausch über ihren Stress mit der Schlepperei und wie gut ich es doch habe mit Harald, trennen sich wieder unsere Wege. Harald und ich mussten die ganze Zeit lachen über diese schräge Begegnung. „Ich bin Künstler?“, sagt Harald immer wieder kopfschüttelnd. Nach 4 Stunden ist das Auto randvoll und meine Liste abgehakt. Harald hat einen  richtig guten Job gemacht und als ich mich bedanke und ihm sein Gehalt, die 20 € geben möchte sagt Harald „Angela, das waren so tolle Stunden, ich will dafür kein Geld!“, er wirkt nachdenklich als er sagt „das was ich heute erlebt habe, das war mein Gehalt, bitte nicht!“ und er schüttelt langsam den Kopf. „Du hast Recht, es liegt in meinen Händen mein Leben wieder in den Griff zu bekommen und ich WILL wieder!“. Harald dreht sich um und geht und bevor ich reagieren kann, war er in der Menschenmenge und der Dunkelheit verschwunden.

Vorgestern und auch gestern war ich wieder in der Stadt. Haralds Bettelplatz war leer.

Wir alle können was bewegen, mal für uns selbst und mal auch für andere. Heißt es nicht so schön „Das Glückt liegt auf der Straße?“. Ich wandle das einfach mal um in: “Das Glück trifft man auf der Straße!“. Helfen ist gar nicht so schwer, denn Glück vermehrt sich, wenn man es weitergibt und wissen Sie was? Es weihnachtet sehr…

 

Geschenke Tipp:

DVD „Das Glücksprinzip“ mit Kevin Spacey und Helen Hunt

PS: Gestern kam noch eine Einladung zur Silvester Party bei mir an.

Von meiner Freundin Chris, an Angela & Harald

Kommentare

2 Responses to “Shoppen mit Harald …”

  1. Raoul...theoneandonly on Dezember 17th, 2012 07:32

    Danke
    Eine wirlich schöne Weihnachtsgeschichte :-)

  2. Ev on Januar 3rd, 2013 23:34

    Liebste Angela van Moll,
    ich habe ihnen geschrieben,leider weiß ich nicht wohin ich nun meine Zeilen
    an sie versenden kann.
    es ist privat.
    and very important

    nein ich bin nicht die Frau von Harald auch nicht die Freundin, mit Harald steh ich nur soweit in Verbindung, dass ich solche Geschichten auch schon mal in einer anderen Art und Weise mit einem kleinen Mädchen erleben durfte.

    Vielleicht antworten sie mir, damit ich mein Brieflein an sie senden kann.
    und für die ganz Neugierigen hier.
    Gibts dann vielleicht eine neue Geschichte.
    in diesem Sinne
    herzlichst
    Prinzessinextrawurst