St. Sebastianus Schützen von 1316 geben Vereinsurkunde aus dem Mittelalter in Obhut des Stadtmuseums
April 17, 2013
Das älteste authentische Dokument des St.-Sebastianus-Schützenvereins jetzt in der Ausstellung des Stadtmuseums
Im Beisein von Oberbürgermeister Dirk Elbers übergab der St.-Sebastianus-Schützenverein von 1316 e.V. heute dem Stadtmuseum der Landeshauptstadt seine älteste erhaltene Vereinsurkunde aus dem frühen 15. Jahrhundert als Dauerleihgabe. Dank dieser großzügigen Überlassung ist es dem Stadtmuseum möglich, die frühe Geschichte Düsseldorfs mit einem einzigartigen Originalexponat zu beleuchten. Lothar Inden, 1. Chef der St. Sebastianus Schützen und Geschäftsführer: “Damit haben wir unser wertvollstes Dokument jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, im Stadtmuseum findet es einen absolut angemessenen Rahmen.”
Die spätmittelalterliche Urkunde bildet zeitlich den Auftakt für eine Vielzahl weiterer Schützenkleinode, die bereits als Dauerleihgaben im Stadtmuseum ausgestellt sind. In den Sammlungen des Stadtmuseums kann nun das Schützenwesen als integraler Bestandteil der Düsseldorfer Stadtgesellschaft vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart präsentiert werden. [mehr...]
Das war unsere Kö um 1910
November 19, 2012
Nein, so türkisgrün leuchtete auch um 1910 herum der Kögraben nicht, hier hat offensichtlich derjenige, der diese 1912 versandte Postkarte koloriert hat, ein wenig übertrieben. So prächtig präsentierte sich die Kö um die Wendezeit zum vergangenen Jahrhundert mit ihren Häusern im neoklassizistischen Stil und dichtem Baumbestand.
Unsere Königsallee: So sah sie 1957 aus
November 9, 2012
Schon 1957 war die Kö ein Prachtboulevard. Wie man sieht, herrschte für damalige Zeiten schon ein reger Autoverkehr. Wir sehen, dass links alles zugeparkt ist, rechts, bei Otto Bittner, war bereits Kaffee und Kuchen im Angebot. Auf der Kö fuhr noch die Straßenbahn (man sieht im Hintergrund zwei Wagen). Mit dieser Postkarte grüßte ein Helmut am 5. Juli 1957 seine “liebe Erna” in Berlin.
So sah der Kögraben 1904 aus
Oktober 18, 2012
Unsere Kö im Wandel der Zeiten. So sah der Kö-Graben im Jahre 1904 aus. Die Baumkronen waren nicht so dicht zusammengewachsen wie heute und der Rasen war durchweg grün. Die Postkarte wurde im April verschickt.
Wieder Bötchenfahren am Schwanenspiegel?
Oktober 2, 2012
Die reinste Idylle: Bötchen vor dem alten Seehaus am Schwanenspiegel
“Kaiserteich wieder mit Booten?” fragt die Rheinische Post heute. Das wäre sicher eine gute Idee, wie dieses Foto zeigt. Vor dem “Fischerhaus” am Schwanenspiegel liegen Boote, in denen im letzten Jahrhundert bevorzugt Verliebte über den Kaiserteich ruderten. Diese Postkarte, frankiert mit “Feldpost” und geschrieben in feinster Sütterlin-Schrift, wurde am 21.4.1917 verschickt, mitten in den Wirren des Ersten Weltkriegs. Wenige Tage zuvor, am 6. April, hatten die USA dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Am 17. April hatte Lenin in seinen “Aprilthesen” die weitere Entwicklung der Revolution skizziert und in Frankreich waren verheerende Kämpfe zu Ende gegangen.
Düsseldorf 1893 – hat sich viel verändert…
Juli 30, 2012
Diesen Stadtplan habe ich bei ebay aufgestöbert: Düsseldorf-Plan aus der fünften Auflage von Meyer’s Konversationslexikon. Das bedeutet: Der Plan zeigt Düsseldorf etwa im Jahr 1893. Hat sich ganz schön was verändert seitdem.
Hier gibt es noch den Zoologischen Garten, die Kavalleriekaserne in der Neustadt (heute Medienhafen) und in der Karlstadt die Infanteriekaserne mit Exerzierplatz an der Königsallee. In Derendorf existierte eine “Mägde-Herberge” und in der Neustadt eine “Irrenanstalt”. Natürlich ist auch noch der kleine städtische Rheinhafen in Funktion, der sogenannte “Sicherheitshafen”. Gleich daneben die “Städtische Schwimmanstalt” mit Damenbad und Herrenbad. Klicken Sie sich die Karte groß und entdecken Sie die Details…
Düsseldorf Headlines, Freitag, 17. Dezember 2010
Dezember 17, 2010
BILD Düsseldorf: Neben Ihrem Kloster hörten sie einen schrecklichen Schrei! Jetzt der Appell der Nonnen an den Entführer des 11-Jährigen/ “LEG’ EINEN ZETTEL IN UNSERE KRIPPE, WO DU MIRCO VERSTECKT HAST”
EXPRESS Düsseldorf: Beide Landebahnen für zwei Stunden gesperrt / TIEF “PETRA” LEGTE FLUGHAFEN LAHM
NRZ Düsseldorf: DAS GROßE CHAOS BLIEB AUS / Zwar schneite es gestern stundenlag in Düsseldorf, aber der Verkehr kam nicht zum Erliegen.
RHEINISCHE POST Düsseldorf: TIERTAFEL AUF 5000 EURO VERKLAGT / Selbstlos hatte eine Ex-Tierärztin dem Verein Düsseldorfer Tiertafel ihre Praxisräume kostenlos überlassen. Doch nun fehlen hochwertige Instrumente aus der Praxis. Beim Landgericht klagt die Ärztin auf Schadenersatz.
WESTDEUTSCHE ZEITUNG Düsseldorf: VERKEHRSAMT HAT SCHON 300 RÄUMMUFFEL VERWARNT / SCHNEE Viele Knochenbrüche: Mehr Unfälle mit Fußgängern. Flughafen am Abend wieder gesperrt.
center.tv: TIEF “PETRA”: SCHNEE-CHAOS KAM AM ABEND
Antenne Düsseldorf: DEG HEUTE GEGEN EISBÄREN BERLIN
Zeitungen in alphabetischer Reihenfolge – eigentliche Headline in Versalien
Düsseldorf Headlines, Freitag, 26. November 2010
November 26, 2010
BILD Düsseldorf: Die Kamikatze von Willich / ORDNUNGSAMT STELLT FALLE AUF!
EXPRESS Düsseldorf: VORTEILSANNAHME-VORWÜRFE / ANSCHLÄGE / MOBBING? / DAS IDYLL TRÜGT/ KRIEG BEI DER REITERSTAFFEL!
NRZ Düsseldorf: SCHULESSEN: ZU UNGESUND, ZU KALT / Eltern kritisieren schlechte Verpflegung der Kinder im Ganztag. Offener Elternabend am 2. Dezember
RHEINISCHE POST Düsseldorf: POLITIK KRITISIERT GEPÄCK-AUS/ Aus Furcht vor Anschlägen stellt die Rheinbahn an den Adventssamstagen keine Busse mehr auf, in denen kostenlos Einkaufstüten deponiert werden können. SPD, Grüne und FDP finden das überzogen, warnen vor Hysterie.
WESTDEUTSCHE ZEITUNG Düsseldorf: ALLE 550 NIROSTA-JOBS BLEIBEN ERHALTEN – IN KREFELD / WIRTSCHAFT Trotz des Wegzugs hält die Stadt den Industrie-Standort Düsseldorf für stark. 670 neue Jobs in Reisholz
center.tv: VORBILDLICHE VERKEHRSFÜHRUNG / ADAC: GUTE NOTEN FÜR BAUSTELLEN
Antenne Düsseldorf: DISKUSSION UM DIE TONHALLEN-TERRASSE
Zeitungen in alphabetischer Reihenfolge – eigentliche Headline in Versalien
Oberbürgermeister-Wahl Düsseldorf: In welcher Tradition Dirk Elbers oder Karin Kortmann stehen
Juli 8, 2008
Am 31. August wählt Düsseldorf zum 36.Mal seinen Oberbürgermeister. Zur Wahl stehen Dirk Elbers (CDU) und Karin Kortmann (SPD). Aus diesem Anlass ein Blick zurück von Dieter Jäger (Düsseldorfer Geschichtswerkstatt):
Am 1. Dez 1813 wurde der Beigeordnete Heinrich Schnabel zum ersten „Oberbürgermeister“ ernannt. Die preussische Regierung hat es offensichtlich als schwierig erachtet, „ein qualifiziertes Subjekt zu dem gerade gegenwärtig höchst lästigen Geschäft eines Bürgermeistes von Düsseldorf zu gewinnen“.
Dementsprechend groß war der Verschleiß der ersten Ob s zu Beginn der Preussischen Herrschaft – jedes halbe Jahr ein neuer Oberbürgermeister!
Die heftig geführte Schlammschlacht zwischen zwei Bewerbern 1818 ging in die Geschichtsbücher ein und führte zu einer Skala von Qualitäten, die ein künftiger Bewerber vorzuweisen habe (Aufzeichnungen des damals sehr geschätzten Appellationsgerichtsrates Theodor Lenzen)
1. gesetztes Alter
2. Wissenschaftliche Bildung
3. Kenntnisse in Recht und Ökonomie
4. Familienvater
5. hier begütert
6. 10 Jahre hier ansässig
7. in öffentlicher Verwaltung tätig
8. guter Haushalter im eigenen Haus
9. redlich, klug, mutig, bescheiden, sanftmütig, wohltätig
10. beliebt bei Bürgern und Liebe zu Bürgern
11. religiös, doch duldsam
Vor 1813 gab es nur Bürgermeister und das Leben schien einfacher. Er herrschte über 4 Schöffen, die vom Fürst bestimmt und 4 Räte, die vom Bürger gewählt waren.
Die „Schöffen“ waren seit Karl dem Großen die „Urteilsfinder“, die „Räte“ konnten intelligent raten, d.h. “Runen lesen“, und dann „Ratschläge“ geben. Allerdings wurde daraus bald ein Familienclan der immer gleichen Apotheker, Wirte und Weinhändler. Das Schönste war dann auch immer, dass alle Amtshandlungen mit einem großen „Gelage“ im Wirtshaus endeten. Der magnus(große) magister, also „Meister“ der Bürger nannte sein Kollegium bald „Magistrat“. Der Meister vertrat die Stadt im „Landtag“ oft gegen seinen Fürsten, von dem er im herrschaftlichen 17. 18. Jh. mehr und mehr geknebelt wurde. Im Dienst des Fürsten standen der „Schultheiß“, der die Schuld einforderte, also Gerichtsvollzieher, und – noch gefährlicher – der „Amtmann“, der die oberste Gerichtsgewalt besaß. Sein „Amtsgericht“ wird dann ja auch das harmlosere Schöffengericht ersetzen
Immerhin war der Bürgermeister der wichtigste Mann der Stadt. Er setzte die Preise fest, kontrollierte alle Einnahmen und Ausgaben, und auch wenn er auch nur das Doppelte eines Stadtrates bezog, so kam er doch durch die vielen Nebeneinkünfte (Hebegelder bei Steuerfestsetzungen, Diäten bei Landtagen, Gelder für Prüfungen) auf das Vierfache seines Gehalts. Er wurde so mächtig, dass die Bürger öfter gegen ihren Magistrat als gegen den Fürst rebellierten.
Der letzte Bürgermeister, französisch „Maire“ genannt, ist in die Lokalgeschichte eingegangen. Auf die 100 Fragen der französischen Verwaltung über seine Stadt Düsseldorf antwortete Maire Pfeill 1806 wahrheitsgemäß
zur Frage 73 (“Was ist der moralische Hang der Einwohner?“):
„Die allgemeine Stimmung der hiesigen Einwohner ist in einem vielleicht zu hohen Grade zum Genuß eines jeden geselligen Vergnügens und der Zerstreuung bereit“.
Düsseldorf Damals: Die Wehrhahnlinie gab’s schon mal – als Pferdebahn – Warnschilder vor spitzen Hutnadeln
Januar 2, 2008

Eine Pferdebahn, so wie diese in Aachen, fuhr auch in Düsseldorf
Am 29. August 1875 erhielt der Belgier Leopold Boyart die Konzession für die erste Pferdeeisenbahn. Sie verlief nach dem Startschuß am 1. Februar 1876 genau vom Burgplatz vor dem Schlossturm aus über die Kasernenstrasse zum Graf Adolf Platz, wo der Bahnhof der Eisenbahn lag. Zwei Tage später fuhr die zweite Linie auch vom Burgplatz aus über Flingerstrasse –Schadowstrasse zur Tonhalle (heute Karstadt).
Das heißt: die beiden ersten Linien verliefen fast genau wie die künftige letzte U-Bahn.
Die Stadt bat sich einige Konzessionen aus: vor allem die Erlaubnis, Leichentransporte mit der Bahn durchzuführen. Die Geschwindigkeit durfte nicht über 12km/Std betragen. Der Belgier musste den Ratsherren einen privaten Kontostand von 100 000 Mark nachweisen, eine Kaution von 120 000 Mark bereitstellen und eine jährliche Konzessionsabgabe an die Stadt zahlen. Im Sommer sollte 14 Std, im Winter 12 Std täglich gefahren werden.
In den ersten Monaten gab es nur acht Wagen, Hin- und Rückfahrt mit Ausweichen in der Streckenmitte. Der Rhythmus von 10 Minuten wurde also erst viel später erreicht. Die Linie 1 hatte nachts ein grünes, die Linie 2 ein weißes Licht. Es fuhren jeweils zwei Wagen mit je 12 Sitz- und 18 Stehplätzen.
Die Erste Klasse kostete 5 Pfennig mehr, hatte Sitzpolster und lag in den hinteren Reihen der Wagen. Bei der Rückfahrt musste der Conducteur die Polster wieder nach hinten bringen: die Wagen konnten nicht gedreht werden. Die ersten Sommerwagen etwas später waren seitlich offen und hatten ganzseitig Trittbretter, so dass man vom Sitz direkt auf die Strasse treten konnte. Bei Regen wurde eine Plane heruntergerollt. Es gab vorne und hinten offene Perrons mit Kettensicherung.
An der Außenseite der Wagen hingen bald erste Reklameschilder (meist „Maggi Suppe“), innen wurde vor spitzen Hutna- deln der Damen gewarnt.
Die Bahn hatte natürlich, wie alles Neue, viele Spötter:
„In Düsseldorf ist`s jemütlich / Mer han ne Pferdebahn. / Dat eene Päd, dat trekt nit, dat andre, dat is lahm. / Der Kutscher ist besoffen, die Deichsel, die ist krumm / Und alle paar Minuten, da fällt die Kiste um“.
Düsseldorf Damals – ein Plädoyer für den Erhalt des Gerresheimer Ringofens
Dezember 22, 2007
Die Wohnsiedlung „Am Wildpark“ neben der Bergischen Landstrasse in Gerresheim tritt im Winter 2007 in eine entscheidende Phase. Der denkmalgeschützte Ringofen der Firma Sassen liegt mittendrin. Der Ofen ist das letzte Beispiel dieser Art in Düsseldorf. Es ist nicht irgendein Industriedenkmal. Er markiert die Anfänge der Düsseldorfer Industriezeit des 18. und 19. Jahrhunderts, wie kaum ein anderes Denkmal.
Ohne Ziegel und Dachpfannen hätte es den schnellen Ausbau der Stadt im 19. Jahrhundert nicht gegeben. Deshalb sind alle städtischen Karten des 18. / 19. Jahrhunderts durchsetzt mit dem Wort „Ziegelei“.
Lange bevor die Belgier 1850 in Oberbilk die Düsseldorfer Schwerindustrie starteten, haben gleichfalls Belgier, die sogenannten „Ziegelwallonen“, die Ziegel und Dachpfannen gebrannt, die das Düsseldorf des 19. Jahrhunderts geprägt haben. Von der grauweißen Farbe der Fachwerk- und Strohdachhäuser im Jahrhundert zuvor wird Düsseldorf zur „Roten Stadt“ der Backsteine. Die Wallonen um die Stadt Lüttich herum hatten in punkto Ziegel wegen der Bodenschätze des Ardenner Waldes seit Urzeiten die Nase vorn.
Die Flutlehme und Sande, die der Rhein auf seinem vorletzten Flussbett (und das ist das Terrain der Stadt bis zum Grafenberger Wald) abgelagert hatte, waren ideale Voraussetzungen für die Ziegelherstellung.
Dieser Industriezweig war wegen der besonders harten körperlichen Arbeit schon immer Wanderarbeitern vorbehalten, bei uns waren es die Wallonen. Sie waren raue Gesellen, bei den Düsseldorfern nicht gerade beliebt.
Die Ziegel wurden anfangs mit einem offenen Feldbrand-Verfahren hergestellt, bis im 19. Jahrhundert der Ringofen erfunden wurde.
Nach dem Lehmabstich schleppten die robusten Kerle im Wettbewerb in so genannten „Lehmvögeln“ (Körben) den Lehm (oft über einen Zentner schwer) zu einem Holzbottich neben ihrer Ziegelbude, wo sie schliefen. Wer am meisten „buckeln“ konnte, war Tagessieger. Im Bottich traten die Ziegler den mit Wasser genässten Lehm, bis er die weiche Konsistenz hatte, die im Handstrichverfahren die Form ideal ausfüllte: das war die Aufgabe des sog. „Ziegelschlägers“. Ein guter Ziegelschläger fertigte in einer Stunde 100 Steine. Zwei Tage Antrockenzeit, Umdrehen, noch mal zwei Tage. Dann das Brennen im Feldbrandofen, der durch kleine Öffnungen mit Kohle befeuert wurde.
Um 1855 wurde der Ringofen entwickelt, ein Oval von etwa 20 Kammern, die hintereinander befeuert und gekühlt wurden, so dass kontinuierlich produziert werden konnte.
Die Erkrather Klosterstrasse war die Hauptstrasse der Ziegelherstellung, daher ihr alter Name Pfannschoppenstrasse (ab 1854 Klosterstrasse wegen des heute noch bestehenden Franziskanerklosters). Das Gebiet des Hauptbahnhofs war durch Ausziegelungen derart versumpft, dass beim Bau des Bahnhofs 1885 gewaltige Mengen Sand aus den Gerresheimer Höhen die Vertiefungen wieder ausgleichen mussten.
Düsseldorf im Rückspiegel – Der Kartäusermönch von Unterrath
Oktober 8, 2007

Wappen des Kartäuser-Ordens
Der Kartäuser Mönch ist weg. Doch man hat ihn nicht gestohlen, er wird bloß renoviert. Danach wird er wieder seinen angestammten Platz im Kittelbachpark einnehmen. Die Nachricht von der Renovierung – ein Anlass für einen Blick zurück.
Der Kartäuser Orden saß von 1869 bis 1964 in Haus Hain, einer alten Wasserburg, die im jetzigen Flughafengelände lag. 100 Jahre lang taten die Mönche Gutes für die Unterrather Bevölkerung, so dass selbst die Nazis sie trotz Widerstands in Ruhe ließen. Es war die erste Kartause Deutschlands nach der Säkularisierung überhaupt. Der Schweigeorden war 1084 in den französischen Alpen (La Chartreuse) gegründet worden. Durch einen Roman von Stendal (La Chartreuse de Parme) wurde er weltberühmt.
Düsseldorf hatte drei Königshöfe
Haus Hain sagt viel aus über die merkwürdige Geschichte von Unterrrath. Vergessen wir das jetzige Rath und Oberrath: es waren nur Haltestellen der Eisenbahn im 19.Jh. Nein, nur das jetzige Unterrath ist der geschichtsträchtige uralte Boden von Rath.
Düsseldorf hatte drei Königshöfe: Kaiserswerth, den Burghof in Bilk und den Königshof in Rath. Der Rather Königshof war von zwölf großen Höfen des Adels umgeben, von denen einige bis ins heutige Gedächtnis überlebt haben: Volkardey, Haus Hain, Große Burg, Alte Burg, Röttgen, Gather Hof, Ikter Hof.
Der Königshof war der heutige Hofer Hof. An ihn erinnert nur die Strasse: “Am Königshof“ Er wird 1247 erstmals erwähnt, ist aber viel älter. Die Sachsenkönige (Salier), dann die Stauffer haben sich seit dem 11.Jh. in dieser Gegend aufgehalten. Mitten im Wald gelegen, bot der Königshof ideale Voraussetzungen für glanzvolle königliche Jagdgesellschaften
In Unterrath fing alles an
Gleich neben dem Königshof liegt seit 1347 Düsseldorfs ältestes Kloster „Maria Not“ der Franziskanerinnen, dem die noch ältere Rather Kapelle von 1227 zugrunde liegt. Die heutige Pfarrkirche an dieser Stelle „Maria unter dem Kreuz“ stammt von 1869 und das „Damenhaus“ der „Töchter vom heiligen Kreuz“ aus dem Jahr 1857 gleich daneben ist heute ein Haus für geistig und körperlich Behinderte.
Vergessen wir also für einen Augenblick die Jesuiten, die Ursulinen, die Karmelitessen, selbst die uralten Kreuzherren (Gerresheim war ein Stift, kein Kloster, genauso wie Lambertus). Abgesehen vom Benedektinerkloster des Heiligen Suitbertus in Kaiserswerth ist also Unterrath der Beginn der Düsseldorfer Klostergeschichte
“Im Himmelreich”
Die Sonderstellung dieser Region zeigt sich auch daran, dass das oberste Gericht, dem auch Düsseldorf unterstellt war, immer zwischen Kaiserswerth und Rath lag, also in Kreuzberg, dem Gebiet der heutigen Diakonissenanstalt. Dieser „Kreuzberg“ war nur zwei Meter höher als das Umland, aber wegen des Hochwassers entscheidend für unsere Vorfahren: sie nannten diese Anhöhen „In der Luft“ oder schöner „Im Himmelreich“.
Das alte Rath am vergessenen Kittelbach (damals viel wichtiger als die Düssel) ist heute im umtriebigen Flughafen fast verschwunden. Freuen wir uns, dass nur einige 100 Meter neben dem alten Königshof jetzt wieder das Leben tobt: im ISS Dome an der Theodorstrasse in Unterrath.
Düsseldorf im Rückspiegel – Trinkaus & Kö-Bogen
Oktober 2, 2007

Bankgründer Christian Gottfried Jaeger
Der Hauptinvestor Trinkaus & Burkhardt ist ungehalten: der neue bürokratische Unsinn, wonach die EU die Stadt zwingt, Grundstücke ab einer bestimmten Größenordnung anders auszuschreiben als bislang, führt direkt in die Warteschleife, genauso, wie damals die neue Stadttorstrasse (Bolker / Elberfelder) ins Nichts geführt hatte.
Christian Gottfried Trinkaus gehört zu den Männern der ersten Stunde, die Düsseldorf im 19. Jahrhundert in die Moderne geführt haben.
1785 kam der Weinhändler Christian Gottfried Jaeger aus Traben- Trabach nach Düsseldorf, um hier Handel mit Farbhölzern zu treiben. Zwischen Wuppertal und Krefeld gelegen, wurde Düsseldorf langsam zu einem Textilzentrum, das sich auf das Färben spezialisiert hatte: Indigo, Waidt, Krapp,Türkisch Rot waren die Farbstoffe.
Mit Jaeger kamen auch Adolf Pfeiffer und Christian Gottfried Trinkaus von der Mosel nach Düsseldorf (auf die Pfeifferfamilie geht die Stiftung zurück, die für den Grafenberger Wald eintrat: daher auch die „Pfeifferbrücke“ über die Ludendorfer Straße). Jaeger hatte eine Pfeiffer geheiratet und seine Schwester war die Frau eines Haushofmeisters aus Hessen, aus welcher Ehe dann der junge Trinkaus stammte. Alle wohnten am gerade gebauten Carlsplatz Nr. 14 ( heute Parkhaus Ecke Hohestrasse). 1835 wurde hier das 50jährige Jubelfest der Firma gefeiert.
Trinkaus beerbte die Jaeger/Pfeiffer-Firma und entwickelte Düsseldorfs ältestes Bankhaus.
Neben ihm konnte nur noch das Bankhaus Baum bestehen. Gerhard Baum, Textilkaufmann aus Barmen, verbindet sich mit dem Spediteur Carl Cleff, später mit dem Elberfelder Max Böddinghaus. Ihre Elberfelder Bank geht 1914 in der „Deutschen Bank“ auf. Auch die Baum-Cleff- Böddinghaus wohnten alle in der Carlstadt, also um die Ecke von Trinkaus.
Trinkaus, dynamischer als Baum, finanzierte nahezu alle wichtigen Unternehmen des ausgehenden 19. Jh. (Poensgen, Schieß, Heye, Piedboeuf, Flender). Er wurde Vorsitzender der Börse. Zusammen mit den Heyes aus Gerresheim begründete er die Industrie Terrain Reisholz: IDR und damit Düsseldorfs wichtigsten Industriestandort.
1852 erwarb Trinkaus das vornehmste Haus am Anfang der Hofgartenstrasse, also ungefähr da, wo auch künftig die Zentrale von Trinkaus & Burkhardt am Köbogen stehen soll. Er eröffnete damit die Reihe der vornehmsten Bürger, die alle an der Hofgartenstraße residierten – etwa die Haniels, Schadows und die Luegs.
Düsseldorf im Rückspiegel: Was Oberbürgermeister Joachim Erwin Kurfürst Jan Wellem voraus hat
September 24, 2007

Joachim Erwin trägt gerne die Perücke des Kurfürsten. Aber in einem waren und sind sie grundverschieden: im Umgang mit dem lieben Geld.
Nach dem Tode Jan Wellems 1716 mussten die Düsseldorfer noch 90 Jahre lang seine Schulden abbezahlen.( z. B. eine kostspielige Reise nach Wien). Die Finanznöte der Stadt waren beträchtlich, es gab nur wenige gute Einnahmequellen: den „Schoß“: eine Steuer vom Grundbesitz, die Wein- und Biersteuer, Gebühren für den Hafenkran, die Stadtwaage, das Standgeld für die Marktleute, Wegegelder an den vier Stadttoren, Gebühr für die Tuch- und Schlachthalle, Glockengeld für das Sterbegeläute und, eher seltsam, Gebühren für die „Schweinebesichtigung“, für den eingeführten Kappes, für Prozessionen. Am einträglichsten noch die Mühlengelder für die Platzmühle am Grabbeplatz, die Hofmühle neben dem „Schiffchen“, die Turmmühle auf dem Ratinger Tor.
Zu diesen Nöten kam dann immer noch die zusätzliche Verschuldung für den Fürsten. Der Vater Philipp Wilhelm hatte 1679 schon als Geschenk für das junge Hochzeitspaar von den Ständen 35000 Taler herausgepresst, die diese schließlich billigten, um danach ihre anempfohlene „Freude zum Ausdruck“ zu bringen. Als der Vater 1685 Kurfürst wird, revanchiert sich Jan Wellem mit einem Startgeld für den Vater. Als seine Schwester 1687 zur Königin von Portugal gekrönt wird, müssen die Untertanen natürlich wiederum ihre „Freude zum Ausdruck“ bringen und zahlen. Die „Morgengabe“ für seine zweite Gemahlin, die Großherzogin Anna Maria Luisa di Medici, waren Juwelen im Werte von 100 000 Reichstalern. Die Gemahlin brachte zwar weit über das Doppelte als Mitgift nach Düsseldorf, aber das Geld musste auf den Heller genau nach dem Tode Jan Wellems zurückgezahlt werden.
Der geliebte Verschwender hatte zeitlebens Geldsorgen. Die Landstände (ein Gremium erlesener Männer, Herren aus der Ritterschaft und Vertreter der Hauptstädte, gewissermaßen Vorläufer des heutigen Landtags) wurden immer nur zu einem Zweck nach Düsseldorf eingeladen: der Beschaffung von Geld. Der Kurfürst mahnte, drohte, tobte und lobte, denn schließlich wurden immer wieder die Gelder bewilligt. Ein Großteil der Gelder ging schon für die Diäten der Herren drauf, denn ein Landstand dauerte oft mehrere Monate.
Ein Zornesausbruch Jan Wellems ist überliefert( es ging um die Bezahlung Grupellos, der ihm die Reiterstatue gemacht hatte) Er lautete dann so: “Diese Leute sind allen freien Künsten Feind und ein Haufen Esel und Idioten, die lieber den ganzen Tag saufen, spielen und tabaccieren. Ich estimiere solche großen Künstler wie den Chevalier de Grupello weit mehr als dergleichen Federfuchser und Plackscheißer.“
“Torheiten der Liebe” – das Theater Flin spielt “Mutter Ey”
September 13, 2007

“Mutter Ey” – verewigt an einer Hauswand
Das Haus Ratinger Strasse 45 hat es in sich. Eine Plakette am Haus verrät: „Hier starb 1840 Karl Leberecht Immermann“.
Immermann, der große Theaterregisseur aus Düsseldorf, lebte zufrieden lange Jahre mit seiner Gefährtin, der Gräfin Elisa von Ahlefeld, auf Gut Collenbach in Derendorf. Bis er die blutjunge Marianne Niemeyer aus der Altstadt kennenlernt. Er verlässt seine Gräfin, heiratet Marianne und stirbt nach nur einem Jahr der Liebeslust.
60 Jahre später zieht in dieses Haus die geschiedene Johanna Ey, Mutter von 12 Kindern, mittellos und vom Leben gebeutelt. Sie eröffnet hier eine Bäckerei und wird die „meist gemalte Frau Deutschlands“: die „Mutter Ey“. Studenten von der Kunstakademie gegenüber, bettelarm, aber genial, bekamen von Mutter Ey Kaffee (10 Pfennig) und Kuchen (5 Pfennig). Als Bezahlung hinterließen sie oft ihre Gemälde. Die Bäckereistube wurde zum Marktplatz der Boheme, Schauspieler, Journalisten, Sänger gingen ein und aus.
Einige dieser Studenten wurden Weltstars, Max Ernst, z. B. oder Otto Dix. Max Ernst telegrafierte ihr zu ihrem 65. Geburtstag im Jahr 1929: “Großes Ey, wir loben Dich, Ey, wir preisen Deine Stärke. / Vor Dir neigt das Rheinland sich/ Und kauft gern und billig Deine Werke!” “Die Ey” wurde später zur Galeristin, bis sie unter dem Druck des Naziregimes schließen mußte.
Johanna Ey, die sich die Titulierung “Mutter” verbat, war ähnlich wie Immermann nicht gefeit gegen die Torheiten der Liebe. Eines Tages folgte sie dem viel jüngeren Maler Jacobo Sureda nach Mallorca, eine Liebe, die Narben verursachte…
Das bewegte Leben der Mutter EY ist jetzt jeden Abend auf der Bühne zu sehen: im Theater Flin in der Ackerstrasse in Flingern.







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