Düsseldorf im Rückspiegel – die Kirmes, der Heilige Apollinaris und die Räubergeschichte dahinter
Juli 19, 2007

Der Heilige Apollinaris
Jedes Jahr im Juli, genauer in der dritten Juliwoche, feiert Düsseldorf „Die größte Kirmes am Rhein“. Eigentlich müsste sie „Apollinaris-Kirmes“ heißen. Der Heilige Apollinaris ist der Stadtpatron von Düsseldorf und am 23. Juli feiert die Stadt seinen Namenstag.
Wer war dieser Apollinaris? Ein schöner apollogleicher Mann griechischer Herkunft, Jünger des Petrus, der schließlich als Bischof von Ravenna im 2. Jh einer der ersten christlichen Märtyer wird. Reinald von Dassel, Erzbischof von Köln, bringt 1164 als Siegesbeute von einem Italienfeldzug die Reliquien der Heiligen drei Könige aus Mailand und die des Apollinaris aus Ravenna nach Köln. Bei Remagen weigert sich der Kapitän, weiterzufahren, bis die Gebeine des Apollinaris den Benedektinermönchen der Stadt Remagen überlassen werden.
Rainald von Dassel-Darstellung im Kölner Dom
Wilhelm I., Herzog von Jülich Berg, mit Hauptsitz Düsseldorf, raubt die Reliquie den Benedektinermönchen 1380 bei einer Fehde gegen Siegburg und bringt sie in die Lambertuskirche. Damit macht Wilhelm Düsseldorf zu einem wichtigen Pilgerort. Er ist derjenige, der die Stadt bis zur Wallstraße erweitert hat – mit der Mauer, die Archäologen jetzt an der Ratingerstraße ausgegraben haben. Papst Bonifaz IX sprach die Reliquie des Apollinaris den Düsseldorfern zu und 1394 wird Apollinaris zum Stadtpatron und seit dieser Zeit alljährlich feierlich durch die Altstadtstrassen getragen.
Ein Ritter mit Namen Gerhard von Einenberg war dem jülich-bergischen Herzog zuvorgekommen und hatte das Haupt des hl. Apollinaris vor dem Reliquienräuber auf der Burg Landskrone in Sicherheit gebracht. Das Haupt ruhte später in einem aus dem 14. Jahrhundert stammenden Sarkophag, dessen Deckel im 19. Jahrhundert entstand.
Deshalb wurde in Ahrweiler eine Apollinarisstatue errichtet. 1852 entdeckt der Winzer des nebenan gelegenen Weinberges das später berühmt gewordene Mineralwasser und tauft es Apollinaris „the queen of tablewaters“.
Märtyrer Sebastian
Seit 1394 tragen die Sebastianus Schützen den Heiligen durch die Stadt. Die Schützen feiern damit Apollinaris als ihren obersten Beschützer. Dieser älteste kirchlich-städtische Verein, 1435 erwähnt, aber schon seit 1316 bestehend, entstand aus einer christlichen Bruderschaft, die aber auch zur Stadtverteidigung beitrug, indem sie das Bogenschießen militärisch übte. Daher ihr Namenspatron - der durch Pfeile getötete Märtyrer Sebastian. Der weltliche Herrscher sah das gern. Jan Wellem war zweimal Schützenkönig, Jakobe von Baden stiftete ein wertvolles Schützensilber. Wer dreimal Schützenkönig war, brauchte sein Leben lang keine Steuern mehr zu zahlen
Kirmes kommt von Kirchmesse, Kirchweihe, sie feiert die Einweihung der Kirche und natürlich den Heiligen, dem die Kirche geweiht ist, also Apollinaris, die Kirmes ist das höchste Fest einer Stadt. Wir feiern jedes Jahr im Juli einen Apoll von einem Mann, das berühmteste Mineralwasser der Welt, die größte Kirmes am Rhein, vielleicht eines der größten Volksfeste überhaupt, im Grunde aber feiern wir auch eine historische Räubergeschichte.
Historische Schloss-Tour
Juli 16, 2007
In einer historischen Straßenbahn (siehe Foto) einen spannenden Vortrag über das Thema Fürsten und Könige in Düsseldorf hören – die Chance bietet sich am kommenden Sonntag (22. Juli). Um 15 Uhr fährt die Bahn am Jan-Wellem-Platz ab. Auf der zweieinhalbstündigen Fahrt in einem nostalgischen Zug aus den 50er Jahren geht es auf den Spuren der Adeligen vorbei an Schloss Jägerhof und Schloss Benrath. Dabei erfahren die Gäste Wissenswertes über die Zeit, als Düsseldorf tatsächlich noch ein Dorf war und Könige und Fürsten hierher kamen, um Erholung zu finden. Karten gibt es für 8 Euro (Kinder zahlen 5 Euro) in allen Kunden-Centern der Rheinbahn, im Online-Shop unter www.rheinbahn.de oder – falls noch Restkarten vorhanden sind – direkt vor der Abfahrt an der Bahn.
Düsseldorf im Rückspiegel: Kö-Bogen war Düsseldorfs vornehmste Adresse – als “Hofgartenstraße”
Juli 5, 2007

Der Hofgarten bei Nacht, vorn der Jröne Jong, im Hintergrund Schloss Jägerhof, die Allee iluminiert durch die Leuchtbänke – Foto: Yalcin-Kaya Cürünay
Im 19. Jahrhundert kristallisierten sich in Düsseldorf allmählich gute und schlechte Wohnviertel heraus. Als vornehm galt es, in der relativ jungen Karlstadt zu wohnen (besonders Kasernenstrasse zwischen Benrather und Bastion), dann in der neuen Friedrichstadt (Elisabeth-, Friedrichstrasse), noch vornehmer war die Wohnlage um den Jägerhof herum, wo die preussischen Hoheiten Prinz Friedrich von Preußen, dann Carl Anton Fürst von Hohenzollern residierten (sie waren eine Art neuer Jan Wellem). Auch die meisten Maler wohnten hier. Doch die vornehmste Straße von allen war die Hofgartenstraße, die Straße, die 1945 völlig verschwand und an deren Stelle künftig der „Kö-Bogen“ wachsen soll.

S.K.H. Prinz Friedrich von Preußen
Die Strasse verlief von der Königsallee bis zum Hofgärtnerhaus (heute Theatermuseum). Sie hatte zur Hofseite hin Gartenanlagen mit der Freimaurerloge und der ersten Düsseldorfer Wellnessanlage, dem „Friedrichsbad“. Weiter nördlich lag die „Pempelforter Promenade“, d. h. der „Alte Hofgarten“ von 1769 mit dem „Runden Weiher“(Jröne Jong). Zur Vordersetie wurde sie begrenzt durch den „Neuen Hofgarten“ von 1804 mit dem Weiher „Landskrone“, womit sie also von zwei Parkanlagen und zwei Seen umrahmt wurde. Schöner ging es nicht.
In dieser Strasse wohnten: der Hofmarschall des Prinzen Friedrich, Carl von Pritzelwitz, der sein Haus an den Bankier Christian Gottfried Trinkaus verkaufte, der Malerfürst Friedrich Wilhelm von Schadow, der hier auch starb, der Fabrikant Franz Haniel, der mit seinem genialen Ingenieur Heinrich Lueg ganz Oberkassel aus dem Boden stampfte, Friedrich Wilhelm Brewer, der Bergwerkbesitzer , der auch das Gut der Jacobis gekauft hatte und damit die Lotterie der darob empörten Maler auslöste, die mit dem Lotteriegewinn den Jacobi-Besitz zurückkauften und so den Malkasten schufen.
Verfolgen wir noch einige Biographien genauer: Trinkaus war als Sohn eines Haushofmeisters Ende des 18.Jh durch Heirat an das Erbe der damals wichtigsten Kaufleute Jaeger/Pfeifer gekommen, mit dem er die erste wichtige Düsseldorfer Bank gründete. Er war Vizepräsident der Handelskammer, die die Dampfschiffahrt und die erste Eisenbahn ermöglichte. Als Besitzer von Schloß Elbroich gründete die Familie später im angrenzenden Gelände die „Industriegesellschaft Reisholz“ IDR und damit den größten Düsseldorfer Industriekomplex.
Der Kohlenhändler Haniel aus Ruhrort und sein Ingenieur Lueg haben nicht nur das Ruhrgebiet mit den ersten Tiefschächten revolutioniert. Die Haniel-Lueg Dynastie hat auch Düsseldorf entscheidend geprägt. Ihre Lokomotivfabrik Hohenzollern entwickelte den Standort Grafenberg bis in unsere Tage. Die erste Brücke (Oberkasseler Brücke) geht auf sie zurück und damit der ganze Stadtteil Oberkassel. Sie organisierten die beiden großen Industrie- und Gewerbeausstellungen 1880 u 1902 und legten damit die Grundlage für die Stadtteile Zoo und Golzheim.
So viel zu den Anliegern der Hofgartenstrasse, an deren Stelle künftig der “Kö-Bogen” stehen soll.

So etwa soll der Kö-Bogen an den Hofgarten angrenzen
Düsseldorf im Rückspiegel – 100 Jahre “Groß Düsseldorf”
Juli 4, 2007
Jupp Schäfers
Mer sind us de Aldestadt,
Us de Retematäng.
Mer spreche richtig Platt
On loope op de Häng.
Ons Aldstadt es bekannt,
Bes Korschenbroich on Norf.
Mer blose jett op “Klein-Paris”,
Mer sind Jroß-Düsseldorf!
Als Jupp Schäfers (Hoppeditz von 1947-1953) dieses wohl bekannteste Düsseldorfer Karnevalslied schrieb, war die Stadt noch gar nicht so lang „Jroß-Düsseldorf.
Erst am 28. Mai 1907, zwei Jahre vor einer großen Gebietsreform, beantragte die Gemeinde Wersten den Anschluß an Düsseldorf. Damit begann die Serie der Eingemeindungen – Himmelgeist, Rath, Gerresheim, Eller, Stockum -, die Düsseldorf zur Großstadt machte. Den Stadt-Status, verliehen von Graf Adolf V. von Berg, hatte Düsseldorf im Jahr 1288 erhalten.
500 Jahre lang von 1394 bis 1907 hatte sich in Düsseldorf nichts verändert: Derendorf, Flingern, Bilk, Hamm, Volmerswerth, das war die Düsseldorfer Welt. Nun also der große Coup.
Wersten machte damals den Anfang, weil es sich am meisten von der Eingemeindung versprach: Gas, Wasser, Strom kamen aus Düsseldorf. Mit den anderen Eingemeindungen ging es nicht immer so leicht. Natürlich war es bequemer, die Vorteile der Großstadt zu nutzen, ohne dafür zu bezahlen. Es gab den alten Landkreis Düsseldorf, dem alle kleinen Ortschaften um Düsseldorf herum angehörten sowie den neuen Stadtkreis Düsseldorf. Der Landkreis stöhnte ob der Eingemeindungen, es würde ihm „das Herz aus dem Leibe gerissen“, man wolle die „Vernichtung des platten Landes“, „Heimat und lokale Eigenart” seien bedroht.
Tempi passati…
Düsseldorf im Rückspiegel: Görres hebt Goethe-Schatz
Juni 29, 2007

Johann Wolfgang von Goethe
Die Deutsch-Lehrerin Berthe-Odile Simon-Schaefer am Görres Gymnasium hat einen Schatz ausgegraben. Es ist die in Straßburg verfasste Erstausgabe von Goethes zwölfseitiger „Dissertationsschrift“ „Positiones Juris”, die ihn 1771 zum Doktor der Rechte machte. Es ist zwar eine Kurzversion der verloren gegangenen Hauptarbeit, dennoch ein Fund von hohem Wert , da sie nur als Nachdruck jüngeren Datums in einigen Universitätsbibliotheken existiert. Das Görres Gymnasium will den Fund jetzt faksimilieren und in neuer Auflage veröffentlichen.

Fassade des Görres
Wieso kommt das Görres Gymnasium an eine solche Kostbarkeit? Das Görres an der Kö war Jahrhunderte lang das einzige „illustre Gymnasium“ der Stadt. Es führt sich in direkter Nachfolge auf Düsseldorfs erstes so genanntes „Monheimsche Gymnasium“ von 1545 zurück. Diese weit über Düsseldorf hinaus berühmte Schule am Stiftsplatz war in der Reformationszeit unter dem mit Erasmus von Rotterdam vertrauten Düsseldorfer Herrscher Wilhelm dem Reichen gegründet worden. Die Jesuiten übernahmen 1625 die Schulfunktion in der Mühlenstrasse und von ihnen erbten es die Franziskaner1773 in der Schulstrasse. In ihrem heute noch vorhandenen Kloster in der Schulstraße, Ecke Citadellstrasse haben die drei ältesten höheren Schulen heutiger Form, Görres, Humboldt und Scholl angefangen. Nicht umsonst heißt die Strasse Schulstrasse.

Kurfürst Carl Theodor
Das Monheim Gymnasium war von Anfang an als Universität geplant worden. Unter Carl Theodor entstand 1765 eine chirurgische Akademie, 1769 eine Rechtsakademie, die 70 Studenten besuchten, alles im Gebäude des späteren Görres Gymnasiums. Napoleon greift die alten Pläne auf und plant 1811 eine Volluniversität, die Napoleona Augusta: natürlich vergeblich. Die heutige Uni wurde als Idee 1919 in einer Kneipe geboren.
Die Görres Bibliothek ist also eine der ältesten im Lande und birgt so manche Kuriosität. Man findet hier z. B. die frivolen Memoiren des Abbe d’ Áulnoy, eines Emigranten der französischen Revolution, der Heines französischer Lehrmeister war. Heinrich Heine hat unter dem Mann gelitten.

Heinrich Heine
„ Wohl sechs mal erging an mich die Frage: “Henri, was heißt der Glaube auf französisch? Und sechs mal und immer weinerlicher antwortete ich: “das heißt: le credit“. Und beim siebten Male, kirschbraun im Gesicht, rief der wütende Examinator: “Es heißt: la religion!“ Und es regnete Prügel und alle Kameraden lachten. Madame, seit der Zeit kann ich das Wort Religion nicht erwähnen hören, ohne dass mein Rücken blaß vor Schrecken und meine Wange rot vor Scham wird. Und, ehrlich gestanden, le credit hat mir im Leben weit mehr genützt als la religion“.
Siehe auch Story auf wz-newsline.
Düsseldorf im Rückspiegel: Polizeiwache am Burgplatz stünde voll in der Tradition – Heinrich Heines Vater war einst Chef der Bürgerwehr
Juni 21, 2007

Seit der brutalen Messerstecherei in der Altstadt vor einigen Wochen denkt man über eine zweite Videoüberwachung am Burgplatz nach (die erste Videoanlage gibt es am so genannten „Bolker Stern“). Und die Polizeiwache soll gleichfalls in den Brennpunkt der Altstadt, nachdem die Wache an der Mühlenstraße aufgelöst wurde.
Die Hauptwache der Bürger, die seit dem Mittelalter für die Bewachung der Tore und Mauern zuständig waren, lag immer am Burgplatz.
Die Bürgermiliz war im Mittelalter eine ernste Angelegenheit. Sie bewachte nicht nur die Stadt, sondern zog auch mit dem Landesherrn in die Schlacht. Die Bruderschaften, die Zünfte, die Schützenvereine gehen auf die Bürgerwehr zurück. Seit dem 16. Jh. verdrängten die angeworbenen Söldner die wehrhaften Stadtbürger. Düsseldorf wurde eine Garnisonsstadt.
Die alte Bürgerwehr bestand aus vier Kompanien, die zu je 16 Rotten eingeteilt waren. Es gab drei Altherrenkompanien und eine Junggesellenkompanie. Die Kompanien waren für die vier Stadtviertel zuständig: Altestadt, Flingerstrasse, Burgplatz und Marktplatz.
Das schöne Gebäude der Hauptwache war 1733 von Hofbaumeister Johann Heinrich Nosthoffen gebaut worden (er war auch für den Neubau des Rathauses verantwortlich). Auf einem Gemälde von 1855 kann man noch die Hauptwache sehen. Sie lag genau zwischen Burgplatz und Marktplatz, ging also vom heutigen Pissoir bis zur Eisdiele.
Heinrich Heine hat hier seinen geliebten Vater verewigt. Es sagt etwas über die neue französische Rechtsprechung aus, wenn Heines Vater, ein Jude, Chef der Bürgerwehr werden konnte.
„Wie glücklich war mein Vater, als zu Düsseldorf die Bürgergarden errichtet wurden und er als Offizier derselben an der Spitze seiner Kolonnen an unserem Hause vorbeidefilieren konnte. An solchen Tagen floß auf der Hauptwache eitel Rüdesheimer und Aßmannshäuser von den trefflichsten Jahrgängen , alles auf Rechnung des kommandierenden Offiziers. Mein Vater genoß unter seinen Leuten eine Popularität, die gewiß ebenso groß war wie die Begeisterung, womit die alte Garde den Kaiser Napoleon umjubelte. Dieser freilich verstand seine Leute in anderer Weise zu berauschen. Den Garden meines Vaters fehlte es nicht an Tapferkeit, zumal, wo es galt, eine Batterie von Weinflaschen zu erstürmen. Aber ihr Heldenmut war doch von einer anderen Sorte als der, welchen wir bei der alten Kaisergarde fanden. Letztere starb und übergab sich nie, während die Gardisten meines Vaters immer am Leben blieben und sich oft übergaben.“
Düsseldorf im Rückspiegel: Als Heringe noch en vogue waren
Juni 3, 2007

Top-Adresse: Fischhaus in der Berger Straße
Die Backfische sind back, die Lolitas der Fische, die man, weil zu jung, über Back zurückwarf oder in die Hammer Kappesfelder eindüngte. Zu jung, aber zart zum Backen (wie andere Wortforscher meinen): ein Leckerbissen zum Bierchen in Düsseldorf seit über hundert Jahren. Die Heringsart, die im Mai zum Laichen den Rhein hinauf schwamm, wurde hier in großen Mengen gefangen. Dabei gab es viel Beifang, junges Gemüse: die Backfische. Maifischmärkte und Backfischessen waren die große Sause im Düsseldorf des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Das Ausbaggern der Sandbänke, die modernen Schaufelraddampfer, der industrieverseuchte Fluß ließen die Maifische aussterben. Jetzt kehren sie zurück: ein EU-Projekt für die nächsten vier Jahre, gesponsert mit 500 000 EUR. Der Düsseldorfer Biologe Peter Beek vom Aquazoo betreut das Projekt.
Der Fischmarkt fand früher vor dem Zolltor (heutige Zollstrasse) statt, wo es zwei Fischhallen gab. Der heutige Fischmarkt, zunächst im Medienhafen, jetzt am Tonhallenufer, ist also gewissermassen zu den Ursprüngen zurückgekehrt. Vier so genannte “Sauberweiber” sorgten damals für die gründliche Reinigung des Marktes. Außerhalb der Marktzeit war es verboten, Fische „in die Häuser und Klöster zum Privatverkauf herumzutragen“.
Im 19. Jahrhundert übernimmt der Maifischmarkt dann den Rheinort, die Rheinstrasse und die Bergerstrasse. Überall gab es jetzt im Wonnemonat Maien Maifischessen und gewaltiges Zechen, weil der Fisch ja schwimmen musste. Der bekannteste Maifischer war Carl Maassen senior. Sein Haus Bergerstrasse 3 war und ist das schönste Fischhaus der Stadt. Carl, der erste “Fisch Maassen”, war 1820 nach den Napoleonischen Befreiungskriegen mit einer hübschen Pariserin nach Düsseldorf gekommen. Die Dynastie Maassen währte 200 Jahre. Um 1900 beschäftigte er 30 Fischer und 40 Leute im Handel und Verkauf. Hier bekam man russischen Kaviar und englische Austern. Zur Kochkunstausstellung 1896 in der Tonhalle (heute Karstadt Schadowstrasse) bugsierte Maassen riesige Wasserbottiche mit lebenden Salmen (Lachs). Es gab Goldmedaillen weltweit. Carl, der sechste Maassen, muss wohl zuviel französisches savoir vivre von seinem Ururgroßvater geerbt haben. Er musste alles verkaufen. Sogar sein Name am schönen Haus wurde getilgt.
Schade! Für uns Düsseldorfer bleibt es wohl für immer das „Fischhaus Maassen“.
Düsseldorf im Rückspiegel – Entente Florale
Mai 13, 2007

Entstand vor dem Englischen Garten: Hofgarten
Aus der „Eentente Cordiale“ 1904, wo es um die Aufteilung Afrikas unter Frankreich und England ging, wurde die „herzliche Freundschaft“ der Beiden gegen Deutschland. Zum Glück ist dies alles vorbei. Seit 1975 gibt es die friedliche „Entente Florale“, in die dann 1997 Deutschland eintreten durfte. Dieses Jahr ist Düsseldorf dabei. „Flori“ ist überall. Düsseldorf blüht auf – mit Festen für den Ost– und Südpark im April und Mai. Das war nun auch an der Zeit. Galten wir doch bereits als „Gartenstadt“, bevor noch der Begriff „Garden City „ von Ebenezer Howard 1902 mit seinem Buch „Garden cities of tomorrow“ erfunden wurde. Deutschlands erste öffentliche „Promenade“, der Hofgarten, entstand schon 1769, zehn Jahre vor dem berühmteren Englischen Garten in München. Der Hofgarten ist Düsseldorfs berühmtester Garten geblieben. Aber es gab schon viel früher Ansätze. Schon 1680 züchteten Jesuiten in ihrem Klostergarten an der Mühlenstrasse Tulpen. Jan Wellem pflanzte 1705 in seiner Orangerie am jetzigen Maxplatz neben Orangen und Zitronen Oleander und seltene exotische Gewächse. Carl Theodors „Botanischer Garten“ neben dem Hubertushospital auf der heutigen Kasernenstrasse war zu Lehrzwecken seiner Chirurgischen Akademie angelegt. Die Kapuziner übernahmen ihn 1803 auf der Pfannenschoppenstr (heute Klosterstr), und F. M Weyhe, der hervorragende botanische Kenntnisse besaß, legte schließlich den großen „Botanischen Garten“ auf dem geschleiften Stadtwall an, wo er, von der Oper 1870 stark bedrängt, in Resten heute immer noch zu bewundern ist. 1906 führt der Baron von Engelhardt im „Gärtchen am Graf Adolf Platz“ (Ballwerferin) die botanische Tradition fort. Mittlerweile waren Floragarten, Zoo, Ostpark und Volksgarten (in Oberbilk) entstanden. Vor den Toren der Stadt entstanden Sommergärten, der berühmteste von ihnen war der Garten des Konditors Geisler, aus dem dann später die „Tonhalle“ entstehen sollte. Auf den drei Hügeln des neuen Hofgartens, die beim Ausschachten des Hafens an der jetzigen Oberkasseler Brücke entstanden waren, etablierten sich Café-Attraktionen: am bekanntesten der „Ananasberg“ neben der „goldenen Brücke“.
Friedrich Heinrich Jacobi
Der zweite alte großartige Garten Düsseldorfs geht auf die Initiative des Zuckerraffineriebesitzers Jacobi zurück. Sein Sohn, der berühmte Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi, der aus Düsseldorf ein „kleines Weimar“ machte, verband die neue englische Gartenkultur mit der aufkommenden Mode der eleganten „Lesezirkel“. Sein Garten ist bis heute der intimste, schönste im ganzen Land. Der zweite Sohn Johann Georg Jacobi besang in ihm das Düsselflüßchen, das uns den Namen gab.
Bey der stillen Mondeshelle
Treiben wir mit frohem Sinn
Auf dem Bächlein ohne Welle,
hin und her und her und hinTreues Lieben und Gefallen
Sey mit reiner Lust gepaart,
Und, wie dieses Schiffleins Wallen,
Ruhig einst die letzte Fahrt
Düsseldorf im Rückspiegel: Wohnen am “Galgengässchen”
Mai 6, 2007

Quartis “Les Halles” in Derendorf
O la la, Fronkreich! Die noch nicht gebauten Wohnungen gehen weg wie die Semmeln, sagt die Bahnimmobilienfirma Aurelis . Die Vierbrückenstadt auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs könnte tatsächlich ein Schlager werden. Mit Wohnhäusern und Grünanlagen ist das “Les Halles”-Viertel Verbindungsglied zwischen den feineren Vierteln Zoo, Derendorf, Pempelfort.
Namensgeber war der Trödelmarkt „Les Halles“, den die Düsseldorfer immer liebevoll “Läsalles“ aussprechen. Les Halles, so heißt das Marktviertel im Zentrum von Paris, in dem – in der Rue St Denis – auch die Nutten stehen. Auch so etwas hat das Viertel zu bieten, wenn auch längst nicht in derart deutlicher Ausprägung – die Rethelstrasse neben dem Güterbahnhof, wo die Damen jedoch deutlich teurer sind als in der Rue St. Denis.
Das neue “Les Halles in Paris
Der Derendorfer Güterbahnhof wurde 1863 angelegt und 1891 verstärkt ausgebaut, als man den „Zentral Personenbahnhof“ am heutigen Adenauer Platz gebaut hatte und eine Trennung von Personen und Gütern für angebracht hielt. Die riesigen Dampfkessel von Oberbilk/Flingern wurden z. Teil mit sechsgespannigen Pferdewagen dorthin transportiert. An der Rethelstrasse, damals „Ahnfeldstrasse“, war 1874 der dritte Personenbahnhof, der so genannte „Rheinische Bahnhof“ entstanden. Die heutige Franziskusstrasse von 1913 zeigt noch den kerzengeraden Verlauf der alten Gleise. So wurde die Gleisstrecke unter der Franklinbrücke, eine der vier Brücken des neuen Viertels, Deutschlands befahrenste Strecke überhaupt.
Der nördlichste Teil des Geländes hat im Dritten Reich eine unselige Rolle gespielt. Der Güterbahnhof wurde 1985 geschlossen und eine Alternativkultur mit szenigen Kuschelecken entstand an der Schirmerstrasse. Vielleicht wird man sich jetzt wieder der Urstrassen erinnern, die vor der Eisenbahn das heutige Zooviertel mit den Innenstadtvierteln verbanden: die Düsselthaler Strasse führte nach Düsselthal, zu dem düsteren, 1701 entstandenen Trappistenkloster, das an der heutigen Graf Reckestrasse lag. Die zweite Urstrasse, die heutige Herderstrasse- Wielandstrasse, hieß früher „Mönchweg“ und führte zum Kloster. Auf dem Weg zum Kloster kam man an der „Richtstätte“ vorbei (heutiger Schillerplatz), wo die Gehenkten im Winde baumelten. „Galgengässchen“ hieß ein kleiner Weg, der an der heutigen „Bar Olio“ und an „Les Halles“ vorbeiführte. Vielleicht ein szeniger Name für das „Quartier Central“. Grusel ist in.
Dieter Jaeger
Düsseldorf im Rückspiegel: Copacabana am Stresemannplatz
April 13, 2007

Gartenkünstlerin Tita Giese verwandelt den Stresemannplatz in eine optische Oase
Es gab einmal eine sehr schöne Straße in Düsseldorf, die als Visitenkarte der Stadt galt: die 1890 eingeweihte Graf Adolf Straße. Sie führte vom neuen Hauptbahnhof zur Königsallee: eine Zierde der aufstrebenden Industriestadt, die verrücktesten Cafes, die aufwendigsten Restaurants, die aufregendsten Nachtclubs, die Strasse der neun Cinematographen, aber auch die Straße der modernsten Geschäfte, die stolz die Produkte der Stadt ( z. B. Werkzeugmaschinen) ausstellten. Das ist nun alles Geschichte – Peep shows, Beate Uhse, Billigketten, lärmender Verkehr, das kennzeichnet die Straße heute.

Postkarte von 1911 – die Graf Adolfstraße, damals eine Zierde der Stadt
Sechs Straßen münden in den Stresemannplatz: alle schrecklich, am schrecklichsten die Strasse, die den Namen des frömmsten aller Düsseldorfer Maler trägt: Mintropstrasse. Theodor Mintrop malte immer Heilige und Madonnen. Unheilig geht es in seiner Strasse heute zu. Der Babystrich ist nicht weit. Nun versucht man, die Zeit zurückzudrehen. Ein Anfang war schon gemacht worden: neue Verkehrsführung, neue Fahrradwege, neue Haltestellen. Jetzt folgt der große Coup: Copacabana am Stresemannplatz, latin feeling - 67 Yuccapalmen, nachts in goldenes Licht getaucht. Geben wir dem Platz eine Chance!
1860 hieß es hier: „Am Tunnel“. Die Eisenbahn fuhr auf der jetzigen Graf Adolf Strasse auf vier Gleisen nach Wuppertal oder nach Berlin. Der Bahnhof lag am Graf Adolf Platz. Der Tunnel unter den Gleisen führte von der Bahn- zur Ellerstrasse. Unten: hastende Arbeiter auf dem Weg zur Maloche in Oberbilk, oben: fauchende Lokomotiven. Nebenan: rauchende Schlote von acht großen Fabriken zwischen Oststraße und jetzigem Stresemannplatzplatz. Es kann nur besser werden.
Dieter Jaeger





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