Anne Will: Premiere mit Gähn-Talk

September 16, 2007 by  

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Premiere von “Anne Will“. Erster Eindruck von der Sabine Christiansen-Nachfolgerin: Fragen zu stellen und das Wort weiter zu reichen, ist nicht genug!

Gut, die Latte, die Sabine Christiansen gelegt hat, kann man eigentlich nicht reißen. In ihren Sendungen gab es selten mehr als Absonderungen schon vorher bekannter Meinungen, die im Regelfall nicht journalistisch kompetent hinterfragt wurden.

Dennoch: Anne Will hat ín ihrer ersten Sendung enttäuscht. Warum? Die Frau zeigt kein Feuer! 

Ihr fehlte ganz erkennbar die Lust, aus ihren Gesprächspartnern etwas herauszuzuholen. Sie kitzelte Jürgen Rüttgers nicht mit seinem “Robin Hood”-Ehrgeiz und seinem Linkskurs sowie mit der Mißachtung seines neuen Buches durch die eigene Partei. Sie hielt “Bart” Beck nicht den Mangel an Akzeptanz an der Parteibasis sowie in der Öffentlichkeit vor. Sie holte Bischöfin Käßmann nicht in ihrer privaten Situation ab (Scheidung, Brustoperation). Letzteres gehört zwar nicht zwingend zum Thema, aber es hilft doch, die Menschen einzuordnen und zu verstehen. Eine reichlich blutarme Sendung, liebe Anne Will!

Bei Maybritt Illner, in der Klasse der Polit-Moderatorinnen die Nr. 1, merkt man die Lust, ihre Gesprächspartner an Grenzen zu führen, Dinge auf den Punkt zu bringen. Sie kann kaum abwarten, bis der jeweilige Redner eine Pause macht, damit sie einhaken und nachsetzen kann. Sie will Neues hören. Sie angelt und nimmt Leute an den Haken.

Anders Anne Will in ihrer ersten Sendung. Die Christiansen-Nachfolgerin hat für sich die Latte hochgelegt und gerissen – Gähn-Talk.

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