Was gefällt dem griechischen Generalkonsul an diesem Konsulat nicht?

Dezember 10, 2013 by  

Das griechische Generalkonsulat in bester Lage: Ecke Grafenberger Allee/Achenbachstraße. Dem neuen Generalkonsul schwebt ein neues Domizil vor – zentraler…

Der Düsseldorfer Geschäftsmann Dr. Ulrich Wlecke hat diesen Beitrag bei facebook gepostet. Mit seiner Genehmigung veröffentlichen wir ihn hier.

Gestern Abend bei einem Empfang in Düsseldorf. Einer der ersten Gäste, auf den ich zufällig treffe, ist der neue griechische Generalkonsul, Gregory Delavekouras (seit ein paar Monaten auf diesem Posten in Düsseldorf, davor nach eigener Aussage mehrere Jahre Sprecher des griechischen Außenmisteriums). Das Konsulat liegt an der Grafenberger Allee, wo ich häufig vorbeifahre. Ein ordentliches Haus in einer ordentlichen Gegend (siehe Bild).

Herr Generalkonsul erklärt mir, dass er mit der Lage des Konsulats nicht zufrieden sei und auf der Suche sei nach einer zentraleren Lage. Angesichts der griechischen Finanzmisere und der hohen Arbeitslosigket frage ich mich, ob die nicht wirklich andere Sorgen haben, als mit Ihrem Konsulat aus einer ordentlichen Lage nun in eine noch bessere Zentrallage zu ziehen. Aber man bleibt ja höflich.

Im weiterer Gespräch erklärt mir Generalkonsul Delavekouras, dass in Griechenland nun alles auf einem guten Weg sei. Griechenland erziele nun erstmals seit vielen Jahren wieder einen (kleinen) Primärüberschuss (Haushaltsüberschuss vor Zinsen und Tilgungen) und die Situation habe sich deutlich verbessert. Angesichts von 27 % Arbeitslosigkeit, fast 60 % Jugendarbeitslosigkeit, knapp 3% Deflation und Staatsschulden von 180% des BIP (trotz Schuldenschnitt 2012! – mit weiter steigender Tendenz) frage ich mich, ob ich mich verhört habe. Aber auf Nachfrage bestätigt Herr Generalkonsul wie gut die Entwicklung von Griechenland nun sei.

Daraufhin kann ich mich micht länger zurückhalten und frage ihn, wie er das denn angesichts dieser katastrophalen Lage sagen könne (hohe Arbeitslosigkeit, hohe und weiter steigende Staatsverschuldung, etc.). Ob es nicht besser sei, für Griechenland ebenso wie für Gläubigerländer wie Deutschand, wenn Griechenland aus dem EURO aussteigen würde, um darüber wieder seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Inzwischen erweiterte sich der Zuhörerkreis deutlich.

Er antwortete, dass die Entscheidung zum Euro vor vielen Jahren gefallen sei und nicht mehr rückgängig zu machen sei. Wenn mann die griechische EURO-Mitgliedschaft infrage stelle, müsse man das auch bei einigen anderen Ländern tun (er nannte z. B. Italien). Ein EURO-Ausstieg nun wäre ein Desaster und ergäbe nur riesige Verluste für alle Beteiligten – auch für Deutschland. Griechenland zahle doch alle seine Zinsen. Damit würde auch Deutschland Geld verdienen. Deutschland habe kein Geld wegen Griechenland verloren und es habe ja “nur Garantien” gegeben.

Auf den erzwungenen Schuldenschnitt privater Gläubiger im letzten Jahr ging er dabei nicht ein. Auch nicht auf die schlechte Bonität Griechenlands (Ramschstatus).

Ich antwortete ihm …

… dass ich das ganz anders sehe, da ich nicht an eine Rückzahlbakeit der Schulden glaube. 180% vom BIP trotz Schuldenschnitt sind nicht zu schaffen. Daher sei es für beide Seiten besser, jetzt die Verluste zu realisieren als zukünftig noch größerer Verluste zu erleiden.

… dass der erstmalige kleine Primärüberschuss ja nicht einmal für die Abdeckung der Zinsen reiche und Griechenland sich Geld leihen müsse, um die Zinsen zu bezahlen – die noch dazu künstlich niedrig sind.

… die griechische Währung müsse gegenüber dem EURO um mindestens 30% abwerten, um die griechische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig zu machen. Ohne Abwertung sei eine entsprechende interne Abwertung (Deflation) nötig. 30 % Deflation in den nächsten Jahren bei jetzt schon katastrophaler Lage würde aber keine Volkswirtschaft aushalten. Schon jetzt ist die griechische Deflation bei 2,9 % p.a.

… dass die Lage in Griechenland mit 27 % Arbeitslosigkeit und rund 60% Jugendarbeitslosigkeit nicht lange aufrecht zu erhalten sei und man hier keinesfalls von einem Erfolg oder gar Stabilität sprechen könne. Ich würde mich fragen, wie lange die griechische Bevölkerung dies noch ertragen würde.

Daraufhin wiederholte er die Aussage, dass die griechische EURO-Mitgliedschaft unumkehrbar sei, ein Ausstieg Griechenlands aus dem EURO zu Chaos und Desaster führen würde und keine politische Option sei. Er verwies wieder auf die schon erwähnten erreichten “Fortschritte”, ohne im übrigen auf die genannten Argumente einzugehen.

Schließlich fragte ich ihn, warum er der Meinung sei, dass es für Griechenland bzw. für die griechische Bevölkerung besser sei, im EURO zu bleiben, als nun auszusteigen. Welchen Vorteil das denn habe.

Er antwortete: Der “normale griechische Bürger” habe nun schon im Durchschnitt etwa ein Drittel seines Einkommens und seines Vermögens verloren. Wenn nun noch ein EURO-Austritt dazu käme, bedeutete das weitere deutliche Verluste in Höhe etwa eines weiteren Drittels für die griechische Bevölkerung. Und das sei politisch nicht auszuhalten. Daher sei ein EURO-Austritt nicht anzustreben. Auf die Argumente, dass es bei einem EURO-Verbleib Griechenlands möglicherweise noch schlimmer kommen könne, ging er nicht ein.

Das Thema wurde dann nicht weiter vertieft. Ich habe mit Generalkonsul Delavekouras vereinbart, das Gespräch später fortzusetzen und ihn mal zu einem Vortrag einzuladen. Ich hoffe, dass ein solcher Vortrag auch zustande kommt.

Das Traurige ist: Deutlicher, als es in diesen Aussagen des griechischen Generalkonsuls klar wird, kann man das katastrophale Scheitern der Griechenland-Rettungspolitik und die daraus resultierenden großen Leiden der griechischen Bevölkerung nicht zum Ausdruck bringen. Trotzdem vermisst man jeden Ansatz zu einer realistischen Situationseinschätzung und einer entsprechenden Umorientierung der Politik. Mit dem behaupteten angeblichen “Chaos und Desaster” bei einem griechischen EURO-Austritt wird jede noch so haarsträubende Politik gerechtfertigt, die das griechische Volk weiterhin extremen Belastungen aussetzt und von den europäischen (vor allem deutschen) Steuerzahlern finanziert werden soll.

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