Wikileaks – die gefährliche Abschaffung der Geheimnisse

Januar 4, 2007 by  

wikileaks.jpg

Wir alle kennen und die meisten von uns schätzen Wikipedia als Online-Lexikon, das von der community der user gepflegt wird. Jetzt kommt eine gefährliche Variante von Wikipedia auf den Markt: WikiLeaks.

Leaks bedeutet so viel wie Leck oder undichte Stelle – und darum geht’s. Wikileaks tritt an mit der Maßgabe, Geheimnisse öffentlich zu machen. Wikileaks will nach eigenen Angaben eine „unzensierbare Version von Wikipedia für die massenweise und nicht auf den Absender zurückzuführende (untraceable) Veröffentlichung von geheimen Informationen („Leakings“) und Analysen“ schaffen. Primäre Ziele dabei seien durch Unterdrückung geprägte Regime wie China, Russland, das zentrale Eurasien, der Nahe Osten und das Afrika südlich der Sahara. Wikileaks will jedoch auch all denen zur Seite stehen, „die unethisches Benehmen in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen“.

Die Wikileaks-Website erklärt, maximalen politischen Eindruck machen zu wollen. Das Interface sei identisch mit dem von Wikipedia und könne somit von Leuten mit wenig Technik-Verstand benutzt werden. Wikileaks will bereits über 1,1 Millionen Dokumente verfügen.

Die Philosophie von Wikileaks: „Regieren mit Transparenz korreliert in hohem Maße mit Lebensqualität. Transparente Regierungen haben eher eine Antwort auf Ungerechtigkeit als welche zu verursachen. Pläne, die Ungerechtigkeit verursachen würden, werden enthüllt und bekämpft bevor sie implementiert werden. Die Offenheit einer Regierung enthüllt und bekämpft damit Korruption. Historisch gesehen ist die stärkste Form der offenen Demokratie die, in der die Schaffung von Transparenz und das Publizieren von Sachverhalten leicht möglich ist. Enthüllungen der breiten Öffentlichkeit sind ein Akt der ethischen Abtrünnigkeit für die Mehrheit, es handelt sich durch seine Natur um eine demokratisierende Kraft. Die gefahrlose Weitergabe von Informationen an das erwartungsvolle Publikum ist die kosteneffizienteste Art, gutes Regieren zu promoten – in Gesundheit und Medizin, in der Versorgung mit Lebensmitteln, bei Menschenrechten, Waffenkontrollen und in demokratischen Institutionen. Die Welt hat genügend Nahrung. Sie hat ausreichend Medizin. Sie hat hinreichende Möglichkeiten wissenschaftlicher Forschung und Entwicklungen. Wir wissen, wie wir Malaria verhindern – wir wissen es seit über 50 Jahren. Wir wissen wie wir HIV zu einem Stopp bringen. Wir wissen, wie es geht, die Waffen niederzulegen. Die Welt kann friedlich, gerecht und gesund sein – alles was nötig ist, ist gute Regierung. Die Poltiiker sind dazu nicht in der Lage. Wir müssen es tun.“

Kommentar: Was sich anhört, wie eine weltweite Vollversammlung demokratischer Robin Hoods des Cyberspace ist in Wahrheit eine brandgefährliche Angelegenheit, da durch fehlende Einordnung und Bewertung von Sachverhalten, nicht nur der Denunziation Tür und Tor geöffnet und Mißtrauen gesät wird, auch besteht die Gefahr, dass Fakten, die für die Sicherheit von Unternehmen und Nationen hoch relevant sind, der breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Die „Federation of American Scientists“ (Vereinigung der amerikanischen Wissenschaftler) wurde gebeten, Wikileaks zu beraten und hat abgelehnt. Steven Aftergood, der für die Vereinigung den Newsletter „Secrecy News“ herausgibt, begründet das: „Durch das Fehlen verantwortlicher redaktioneller Kontrolle, können Publikationen sehr einfach zu einem Akt der Aggression oder eine Aufwiegelung zur Gewalt darstellen, nicht zu erwähne die Invasion des Privaten oder der Angriff auf den guten Geschmack.“

Als Gegengewicht zu Wikileaks gibt es derzeit in USA Bestrebungen, bereits veröffentlichte Informationen mit angenommener nachhaltiger Gefährlichkeit wieder unter Kontrolle zu bringen, z.B. durch Löschung der links im Internet.

Kommentare

13 Responses to “Wikileaks – die gefährliche Abschaffung der Geheimnisse”

  1. Tim Jansen on Januar 4th, 2007 20:49

    Hmm.. ist der Kommentar ein Plädoyer für staatliche Zensur und Eingriffe in die Meinungsfreiheit?

    Die erwähnte Sicherheit kann lediglich eine scheinbare Sicherheit sein, wenn sie auf dem Security by Obscurity Prinzip basiert und schon dadurch gefährdet wird, dass man Fakten über sie publiziert. Dagegen gibt es eine sehr reelle Gefahr, wenn man den Regierenden so weitreichende Kompetenzen einräumt, dass diese ihnen unangenehme Fakten durch Zensur oder Strafandrohung einfach aus der Welt schaffen dürfen.

  2. osi on Januar 4th, 2007 23:46

    Tim, ich verstehe die Furcht vor Orwell’schen Verhältnissen. Aber: Die Welt ist zu komplex, als dass man jedermann erlauben sollte, alles zu publizieren. Bedenke die mögliche Motivation: Mobbing, Entlassung, Verweigerung einer Gehaltserhöhung bei Unternehmen. Ideologische Motive oder sehr private, ähnlich denen, die in der Wirtschaft vorstellbar sind, bei staatlichen Angestellten… Ich denke, bislang haben die Medien viel Unrat enthüllt, hätte immer mehr sein können, klar. Wird vielleicht auch mehr, mit den aktuellen Enthüllungsmöglichkeiten. Die Medien sind ein guter Filter, weil hier Menschen sitzen, die nur in Ausnahmefällen korrumpierbar sind und gewohnt sind, Sachverhalte einzuordnen und zu bewerten. Wenn jeder Döskopp jeden Mist veröffentlicht… wollen wir das wirklich?

  3. Tim 'avatar' Bartel on Januar 5th, 2007 20:25

    Es wäre – gerade in der veröffentlichten Pressemeldung – angebracht gewesen deutlich darauf hinzuweisen, dass es sich nicht um ein Projekt der Wikimedia Foundation handelt.

  4. osi on Januar 6th, 2007 00:34

    TIM, wenn die Wikimedia Foundation damit nichts zu tun hat, kann sie das ja deutlich machen. Ich habe nicht geschrieben, dass Wikileaks ein Projekt der Wikimedia Foundation sei. Aus den links, die ich bereitstelle, sind für den interessierten User alle Antworten ersichtlich.

  5. Tim Jansen on Januar 6th, 2007 01:24

    „Aber: Die Welt ist zu komplex, als dass man jedermann erlauben sollte, alles zu publizieren.“

    Wem sollte man die Macht verleihen, es jemandem zu verbieten? Da die Grundprämisse ja ist, dass die Informationen nicht an die Öffentlichkeit gelangen dürfen, ist eine demokratische Entscheidung nicht möglich. Man kann die Entscheidung also nur einer kleinen Gruppe von Individuen überlassen.

    Folgere ich aus deinen Ausführungen also damit richtig, dass du gegen Wikis und Blogs bist, weil damit jeder gefährliche Informationen veröffentlichen kann, und diese vom Staat nicht leicht genug zensiert werden können?

    Denn eigentlich ist Wikileaks nicht wirklich notwendig: schreib die Informationen in ein Blog, sorg dafür dass es von Google indexiert und bei Archive.org archiviert wird, und die Informationen sind bis in alle Ewigkeit verfügbar – spätestens wenn bekannt wird, dass es jemand etwas vertuschen will, werden Tausende von Menschen auf aller Welt Mirrors einrichten.

  6. osi on Januar 6th, 2007 13:04

    TIM, die Entscheidung über die Veröffentlichung kritischer Informationen „einer kleinen Gruppe von Individuen überlassen“, das ist ein Weg – siehe das sehr verantwortungsvolle Verhalten der Federation of American Scientists, die nicht zum Wohlgefallen von CIA & Co. agieren, aber stets gewissenhaft abwägen und filtern. Ansonsten sind die Blogs natürlich, wie wir wissen, ein nahezu basisdemokratisches Element. Durch eine wachsende Zahl kommunikativer Spürnasen kommt mehr zutage als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Wie die Chinesen sagen: Wasser findet seinen Weg. Wikileaks ist für mich von der Anlage her sensationslüstern, dem Pranger vergleichbar und ein Medium, das auch geeignet ist, niedere Instinkte zu wecken.

  7. Benjamin D. on Januar 17th, 2007 20:47

    In Artikel 20 des Grundgesetzes steht: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“
    Wie soll das Volk auf Probleme reagieren die es nicht kennt.
    Das einzige Was einer Regierung Seriosität verleit ist größtmögliche Transparenz.

    Ex iniuria ius non oritur. Aus Unrecht entsteht kein Recht.
    Und aus Zensur kein vertretbarer Staat.

    ————-
    mit freundlichen Grüßen Benjamin D.

  8. Wikipedistik » Beeindruckende Re(d)aktionsgeschwindigkeit on Januar 25th, 2007 10:50

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  9. Thomas R. on März 14th, 2008 06:19

    Kann mir jemand einmal „Fakten“ nennen, die für die Sicherheit von Nationen hoch relevant sind“ ? Die Spatzen pfeifen von den Dächern, wie viele Informationen gefährlich für unseren Staat währen. Akten werden mit dieser Begründung zurückgehalten und Beschlüsse werden im Geheimen getroffen.

    Aber was könnte so gefährlich sein ? Wer wirklich heutzutage noch Staatsgeheimnisse akzeptiert, der muss sich fragen lassen, wie es um sein Verständnis von Demokratie bestellt ist.

  10. galileogalilei on Mai 12th, 2008 02:09

    Es geht hier nicht mehr um Nationen. Alle Länder haben das gleiche Problem. Eine ausgewählte Gruppe maßt sich an über die Köpfe der Menschen hinwegzuentscheiden. Dafür wird gerne im Geheimen gemauschelt (bspw. Parlamentssitzungen, Bilderberg, etc.). Das lässt viel Raum für die Behandlung der Menschen als dummes Vieh, was geführt werden muss. Hierbei macht sich aber leider der Parasit zum Wirt. Die einzige Möglichkeit, den Machenschaften auf die Spur zu kommen, ist auf diese Weise. Also, immer locker bleiben. Der gewissenhafte, freigeistliche Mensch ist hier gefordert und keine Ängstlichen, die vielleicht sogar das diese Verhalten nur heucheln.

    Runter mit den Masken!

  11. lol'o'copter on April 16th, 2009 12:13

    Mitunter einer der dämlichsten Beiträge die ich zu dem Thema gelesen habe.

    Keine bekannte Information kann so gefährlich werden, wie eine noch so unwichtige aber geheime Information. Ausgenommen für denjenigen, der die Information geheim halten wollte. Und das ist dann wohl eher nicht der einfache Bürger.

    Insofern verleiht bereits allein die Logik wikileaks eine Daseinsberechtigung.
    Insbesondere im Hinblick auf transparente Regierungsarbeit. Letztendlich hat der mündige Bürger keine Kontrolle über Irgendetwas, auch nicht in unserem schönen und vermeintlich freien Deutschland. Informationsverfügbarkeit und Verbreitung sind ein hochgradig effektiver Weg die Kontrolle einiger weniger über viele, wenn nicht zu stoppen, so doch einzudämmen.
    Auch wenn man das in Düsseldorf wohl anders sieht.

    Es bleibt zu hoffen das wikileaks sich selbst nicht durch zu viele Enten unglaubwürdig macht und damit das unglaubliche Potential verspielt, das darin steckt.

    Verzeihen Sie, dass ich auf Ihre angeführten Argumente gegen wikileaks nicht eingegangen bin, diese sind schlichtweg so unwichtig und dumm, dass ich mich darüber wundere wie dieser Blog es trotz eines solch haarsträubenden Mangels an allen mir bekannten und relevanten Fähigkeiten zu einer so beachtlichen Größe anschwellen konnte.

    Interessant:
    Ich war heute zum ersten Mal auf düsseldorf-blog und traurigerweise wirft dieser Blog nun in meinem Unterbewußtsein ein schlechtes Bild auf Düsseldorf, welches ich noch nie besucht habe. Ich kann dagegen nichts unternehmen, fortan wird in meinem Kopf ein kleines schwarzes Fleckchen reserviert sein wann immer Düsseldorf das Thema ist.

    Insofern werden Sie hier von Ihren eigenen Argumenten getroffen. Tatsächlich hat nun die von Ihnen veröffentlichte Information, um nicht zu sagen Blödsinn, negative Folgen, in diesem Fall für Düsseldorf.
    Vielleicht sollten Sie sich einmal Gedanken darüber machen, welches Recht Sie dazu haben, durch Ihre Äußerungen den Ruf dieser Stadt zu beeinträchtigen, und so vermessen zu sein für seine eigene, durchweg bedenkliche Meinung, einen Namen wie düsseldorf blog zu verwenden, allein der Aufmerksamkeit willen.

    Mit freundlichen Grüßen aus Stuttgart

  12. pisswetter on Dezember 10th, 2009 21:05

    Ich weiß dass die Idee „wiki “ älter ist als wikipedia. Diese also nur ein Modell genommen haben um Wikipedia aufzubauen. Doch ich kann als MitEditor von Wikipedia sagen, dass es dort nicht wirklich immer demokratisch zugeht. Es auf Wikipedia auch um Wissensmanipulation geht.
    Wissens Manipulation ist überall zu finden. Wenn dies aber durch Monopolisten und Kartelle geschieht wird es gefährlich.
    Menschenrechtsverletzungen gab es schon zu viel.
    Wenn ein Staat eventuelle Handlungen gegen Menschenrechte plant ausführt etc wie 9/11 WTC dann sollte so etwas möglichst vorher bekannt werden oder wollt ihr einfach mal so in einem Gebäude staatlich gesprengt werden?
    Es gibt soviel staatliche Lügen, und genau darum geht es.
    Wenn die Presse unfähig gemacht wurde sowas zu veröffentlichen…
    Open source open Mind

  13. Kultur Aufschwung on November 4th, 2013 17:53

    Egal wie Wirtschaftsmärkte sich in den nächsten 2000 Jahren verändern;
    wenn die Bedürfnispyramide gleich bleibt (so wie es ja die letzten 790 000 Jahre der Fall war), liegt der Schlüssel für Lebensqualität, in einem mit „offener Kommunikation“ geprägten System.

    Ein von „offener Kommunikation“ geprägtes System ermöglicht Menschen jederzeit Zugang zu „100 % Informationen, 360°Grad Orientierung und unendliche Perspektiven“ und sichert so die eigene Lebensqualität und die aller Mitmenschen.

    Der politische Begriff „Demokratie“ ist an sich genau so aussagekräftig wie in der Meteorologie der Begriff „Wetter“. Handelt es sich bei dem Begriff „Demokratie“ , um ein Demokratie-System mit „offenem Kommunikationsfluss“ (z.B. als richtiger Kreislauf)? Oder als Begriff in einem System der Demokratie mit einem überwiegend „hierarchisch“ geprägten Informations-/ und Kommunikationsfluss??

    In der Meteorologie ist es ein Unterschied ob auf das Phänomen „Wetter“ bezogen, das Wetter in einem Land durch einen ausgeglichenen Wasserkreislauf oder durch „Dürre“ geprägt ist, einseitige Niederschläge in nur bestimmten Zonen usw………. beim Wetter kann man zumindest sagen; „Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Bekleidung“

    Auf Demokratie bezogen vielleicht; „Es gibt keine schlechte Demokratie – nur unpassende Kommunikations- / Informations-Flüsse!