Die rechte Szene in Düsseldorf – Nazi-Symbole, Suff und wenig Struktur

Juni 7, 2006 by  

Nach dem Demo-Wochenende, das einen Polizisten vier Zähne gekostet hat und einem weiteren einen Tritt in den Unterleib einbrachte, wollen wir mal einen Blick auf die Neonazi-Szene werfen. Wie viele Leute sind eigentlich dabei, was stellen sie so an im Laufe des Jahres. Die Düsseldorfer Polizei kennt diese Gruppierungen:

  • Die „Düsseldorfer Kameradschaft“, eine kleine Gruppe von einem halben Dutzend Personen. Sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Früher betrieb sie das NIT (Nationales Info-Telefon, Rheinland) und diente so als Kommunikationsscharnier.
  • Die LDU (Lichtenbroich, Düsselthal, Unterrath), etwa 20 Personen. Kennzeichen: Viel Suff, Hören rechter Musik
  • Weitere ca. 20 Personen im Raum Eller, teilweise Skinheads, gleichfalls ohne feste Struktur. Auch hier spielt Alkohol eine wichtige Rolle

Im letzten Jahr gingen auf das Konto rechter Jugendlicher und junger Erwachsener in Düsseldorf 113 Straftaten. Davon waren 66 so genannte Propaganda-Delikte (Besitz von Naziliteratur, Hakenkreuz, SS-Rune usw.), die nach § 86 StGB verfolgt werden. Auf das Thema Volksverhetzung (§ 130 StGB) entfielen 25 Fälle. Weiterhin wurden im letzten Jahr sechs Gewaltdelikte (Körperverletzung, Raub) registriert sowie 16 Delikte, die unter der Rubrik „Sonstiges“ zusammengefasst wurden. Wolfgang Rodax, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums: „Unsere Aufklärungsquote liegt bei 51 Prozent“.

Kommentare

One Response to “Die rechte Szene in Düsseldorf – Nazi-Symbole, Suff und wenig Struktur”

  1. Peter Jamin on Juni 8th, 2006 11:51

    Das hört sich ja fast harmlos an – ist es aber nicht: Zwar mag Alkoholgenuss bei den Kameradschaftstreffen eine Rolle spielen, das verklärt den Rechtsextremen aber nicht den Blick und ihre Ziele. Im vergangenen Jahr fanden aber auch mindestens zwei große Nazi-Rock-Konzerte statt. Es gibt in Düsseldorf zwei Nazi-Rock-Bands. Nach Mitteilung des Verfassungsschutzes soll auch (Ratsherr) Lemmer, ehemals der größte deutsche rechtsrockproduzent und angeblich ausgestiegen) wieder mit Rechtsrock zu tun haben. Mit Musik versuchen die Nazis die Jugend zu ködern – mit Erfolg, denn man kann sicher sein, dass nicht nur zehn oder zwanzig „Kameraden“ die Düsseldorfer Konzerte besucht und die CDs der Gruppen gekauft haben. leider erfährt man in Düsseldorf über solche Entwicklungen nur sehr wenig – für die Polizei ist es mangels Straftatbeständen kein Thema und die Düsseldorfer Medien interessieren sich nicht dafür. So tanzen die rechtsradikalen in Düsseldorf munter und weitgehend unbehelligt weiter.