Kö-Korso: Wie schön Düsseldorf durchdrehen kann!

Juni 25, 2006 by  

Samstagabend, die Kö nach Abpfiff: Ein ohrenbetäubendes Gehupe. Eine Deutschlandfahne auf einem BMW-Kühler, darauf, mit gespreizten Armen und Beinen, auf dem Bauch liegend wie ein gepfählter Frosch, ein junger Mann mit entrücktem Blick. Ein Mädchen im Golf auf dem Türrahmen, ein Bein draußen, eines drinnen, schwenkt Schwarz-Rot-Gold. Zwei im WM-Outfit auf einer Corsa-Kühlerhaube, gleichfalls Flagge schwenkend: Steilvorlagen für Bußgelder wegen Verkehrsgefährdung in hundertfacher Ausführung. Doch auch der Polizist am Steuer zwischendrin hupt. Denn am Samstag, nach dem 2:0, wie überhaupt in diesen Tagen, sind alle Schwarz-Rot-Gold – per Flagge, per Hemd, per Mütze, auf jeden Fall per Gesinnung. Jürgen Klinsmann und seine Traum-Elf haben einen verstopften Kanal geöffnet. Wir sind plötzlich gerne Deutsche. Die Unfähigkeit zum natürlichen Patriotismus, uns als politisch-korrekte Grundhaltung eingeimpft durch ’68er Lehrer und Literaten, mahnende Politiker und gedankenschwere Philosophen, ist plötzlich einem Wir-Gefühl und kollektiver Freude gewichen. Wir sind Deutschland, wir sind Klinsi oder Klose und am Samstag waren wir Poldi. Wir genieren uns plötzlich nicht mehr die Nationalhymne zu singen. Trotz  Karl Jaspers und trotz aktueller Spinnerei, etwa der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) und des Tübinger Altlinken Walter Jens. Wir singen Lieder der Fußballfreude wie “54, 74, 90, 2006” oder brüllen uns im Stadion die Kehle heiser (“Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin”). Wie schön, wie Düsseldorf, wie ganz Deutschland, im positiven Sinne durchdrehen kann.

Nachtrag: WIR WERDEN WELTMEISTER!

Wie ich soeben online lese, glauben nach einer Umfrage des online-panels www.inyouropinion.de, das über Nacht 1000 Teilnehmer befragte, 51% aller Umfrage-Teilnehmer, dass wir Weltmeister werden. Deutlich abgefallen dagegen Brasilien mit 23% und Argentinien mit 17%. Die restlichen Nationen liegen weit zurück mit 0 bis 2%. 77% trauen der Deutschen Mannschaft immerhin das von Klinsmann geforderte Halbfinale zu.

 

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