Günter Grass: Maulkorb für die FAZ

Oktober 11, 2006 by  

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Bigott: Grass 

Ich muss gestehen, dass ich ihn nie gemocht habe. Weder in der Vergangenheit, als er für die SPD Blech trommelnd durchs Land zog, noch heute, wenn er etwa die Umwandlung einer Lübecker Kirche in eine Moschee fordert oder trotz seiner persönlichen Nazi-Peinlichkeit aus der Selbstgefälligkeitsstarre nicht erwacht. Heute wurde bekannt, dass Günter Grass die FAZ verklagt hat. Eine Einstweilige Verfügung soll dem Blatt verbieten, ohne ausdrückliche Genehmigung des Autors Briefe zu veröffentlichen, die Grass 1969 und 1970 an den ehemaligen Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller geschrieben hatte. Zitat FAZ: „Er wolle ihn „unumwunden bitten, bei nächster Gelegenheit – und zwar in aller Öffentlichkeit – über Ihre politische Vergangenheit während der Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen“, schrieb Grass am 15. Juli 1969 an Karl Schiller. Und: „Ich hielte es für gut, wenn Sie sich offen zu Ihrem Irrtum bekennen wollten. Es wäre für Sie eine Erleichterung und gleichfalls für die Öffentlichkeit so etwas wie ein reinigendes Gewitter.“ Der Moralapostel selbst – eine Bigotterie, die Feinde bestätigte und selbst Freunde verprellte – gestand erst kürzlich seine Waffen-SS-Vergangenheit ein. Die FAZ prüft, ob sie den Maulkorb akzeptiert oder Rechtsmittel einlegt. Hoffentlich Letzteres.
 

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