Oh Tannenbaum!

Dezember 21, 2006 by  

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Eine Stressquelle beim Baumschmücken hatte ich beseitigt. Im letzten Jahr habe ich mir im Kaufhof am Wehrhahn einen narrensicheren HighTech-Ständer für den Weihnachtsbaum besorgt. Rratsch, rratsch, rratsch, rratsch, rratsch – fünf Mal den Federzug runterdrücken und der Baum steht und wackelt nicht.

War ich eigentlich in diesem Januar sehr in Eile, als ich den Weihnachtsbaum entsorgt habe? Oder war es meine Ex? Der Baum, eine 180 cm große Nordmanntanne mit weit ausladenden Zweigen, verdient zwei Lichterketten. Und beide sind verwickelt, verknotet – heillos durcheinander. Bei Lichterkette 1 lasse ich Lebenserfahrung und Logik außen vor, die gebieten würden, die Lichterkette erst zu entwirren, die entknoteten Teile in gerader Linie auszulegen, bis man letztendlich zwei saubere Reihen nebeneinander hat, die man dann planvoll unter Berücksichtigung der Länge in den Baum drapiert.

Ich bin heute vorweihnachtlich gestresst. Ich entwirre stückweise und schmücke gleichzeitig. Fehler! Während ich mich nach den Kerzenhaltern mit Echtkerzen zurücksehne, erinnere ich mich, dass sich unter den „Made in China“-Kerzchen Gummringe befinden. Die zieht man herunter, wodurch die beiden Kabel eine Schlaufe bilden, die man über den Zweig zieht, an dem man sie dann durch Hochziehen befestigt. Das ist eine gute Idee, nur dass die Abstände zwischen den Kerzen aus der Wirtschaftssonderzone Pudong oder Shenzhen oder sonstwoher nicht mit den Zweigabständen kompatibel sind, die Sauerländer Natur hervorbringt. Dies bedingt, dass man vor die Wahl gestellt ist, Kerzen frei zwischen zwei Zweigen hängen zu lassen oder Zweige zu verbiegen. Letzteres sieht gar nicht schön aus. So arbeite ich an der manuellen Entwirrungsfront, die sich als die problematischere erweist und an der Ästhetik der Lichtarchitektur. Ich entscheide, mir die „Tagesschau“-Pause zu gönnen. Die Krankenkassen erhöhen die Preise. Das weiß ich schon aus BILD. Ullala Schmidt kann die Kassen nicht verstehen. Das hatte ich vermutet.

Nach der Tagesschau mache ich weiter und stelle fest, dass Ausruhen gut sein kann, ich brauche nur noch zehn Minuten. Bei Lichterkette 2 zeige ich Lerneffekte, entwirre, lege aus, entwirre, lege aus. Das geht recht schnell und ist somit jedermann zu empfehlen, der chinesische Lichterketten hat. Dann die Kugeln. Ich entscheide mich für die mattroten in zwei Größen, an denen schon im letzten Jahr die Silberdrähtchen fehlten und kreativ durch Nähseide ersetzt wurden. Die hält auch jetzt noch.

Kaum ist, die „Tagesschau“-Pause abgezogen, eineStundefuffzehn oder so vergangen, steht der Baum und leuchtet. Das Lied „Oh Tannenbaum“ könnte ich jetzt neu texten. Ich werde Erkundungen einziehen, ob es noch Kerzenhalter gibt. Fürs nächste Jahr. Doch eines ist gewiss: Die chinesischen Lichterketten sind robust.

Nachtrag, 23. Dezember: Hellmuth Karasek sieht künftige Weihnachtsfeste nicht ohne Baum aber ohne Jesus voraus. Sehr lesenswert!

Kommentare

One Response to “Oh Tannenbaum!”

  1. LBK on Dezember 22nd, 2006 10:14

    Gerade noch rechtzeitig kam mir vor drei Jahren das „Lichtlein“, doch die Plastik-Ansteckleiste für die selbigen nicht in die Tonne zu werfen, sondern die Lichter für den Baum nach Gebrauch daran wieder anzuheften. Das war eine weise Entscheidung. Denn so übersommern sie wohl geordnet bis zum nächsten Einsatz und man kriegt sie dann schneller an die Tanne. Allerdings ist das Anstecken an die Leiste auch nicht gerade eine spannende Tätigkeit (in Anbetracht der bei uns 100 Lämpchen).