Düsseldorfs Karnevalswagenbauer Jacques Tilly über Gauck & Wulff, Islamisierung, Ruhm und Ehre als Bezahlung und den Verzicht auf Härte beim Rosenmontag

Februar 21, 2012 by  

Jacques Tillys Lieblingswagen des Rosenmontags 2012: Die Kröte der Islamisierung läßt ihre Zunge in Richtung Arabischer Frühling schnellen, in dem besonders junge Menschen zugleich Wut und Anspruch auf Zukunft formulierten. Foto: Jacques Tilly

Gespräch mit Karnevalswagenbauer Jacques Tilly (Foto), der mit seinen politischen Wagen in diesem Jahr mehr denn je den Nerv getroffen hat und die Berichterstattung über den Rosenmontag dominierte – sei es in Tagesschau und Heute oder in den Online-Angeboten der Printmedien sowie in den heutigen Tageszeitungen.

Jacques, in diesem Jahr  ist die lokale Presse sehr viel stärker eingestiegen als sonst und auch bundesweit lief es ganz ausgezeichnet…

Jacques Tilly: In der Tat war das mediale Feedback dieses Jahr überwältigend positiv. Ich war auch ganz von den Socken, als ich mich von der eindeutigen Düsseldorf-Dominanz in Tagesschau, Heute-Journal und Tagesthemen überzeugen konnte. In den letzten Jahren brachte der WDR fast ausschließlich den Kölner Karneval, denen war ganz egal, was da für Vogelscheuchen als Karnevalsfiguren durch Köln fuhren. Jetzt schauen sogar WDR-Redakteure genauer hin und registrieren die Unterschiede.

Bei Spiegel-Online haben wir Düsseldorfer fast schon ein Monopol, und die Bundespresse war auch dieses Jahr wieder sehr Düsseldorf-lastig. So muss das sein. Wir haben in der Düsseldorfer Wagenbauhalle ein gut eingespieltes und sehr junges Wagenbauteam, und alle haben hervorragende Arbeit geleistet. Mit meinen 48 Jahren bin ich in meinem Team ja schon der Senior.

Ein paar Worte zu Deinem Wulff-Entwurf bitte.

Jacques Tilly: Wir haben uns ja mit dem Wulff-Wagen Zeit gelassen so lange es ging. Aber ab Mittwoch vor Rosenmontag mussten wir auch anfangen, da für das ursprüngliche Wulff-Motiv ein Gerüst geschweißt werden musste. Das ist immer zeitraubend und aufwändig. Das Motiv war der gerupfte, nackte Bundesadler, aber stehend. Wir waren mitten im Drahten, also beim Bildhauern mit dem Maschendraht, als Donnerstagabend die Bombe mit der Ermittlungsaufnahme durch die Hannoveraner Staatsanwaltschaft platzte und der sofortige Rücktritt Wulffs fällig war. Mir war direkt klar: Ein Umbau wie in Köln und Mainz kommt nicht in Frage, da die Situation nun eine völlig andere war. Also habe ich den gerupften Adler auf dem Entwurf umgedreht und wie einen Ikarus abstürzen lassen. Dazu mussten wir aber ganz von vorne anfangen, das alte Gerüst lies sich nicht mehr verwenden. Aber der Baubeginn erfolgte erst, nachdem die hohen Herren vom Carnevalscomitee – der Geschäftsführer Rieck, der Präsident Hinkel und der Zugleiter Schmitz – den Entwurf abgesegnet hatten. Alle fanden ihn prima, und am Freitagabend nach dem großen Hallenrichtfest habe ich mit dem abgestürzten Wulff-Wagen begonnen. Sonntagabend um 20 Uhr war er fertig. Eine Dreiviertelstunde später erreichte mich eine SMS, dass Gauck der neue Bundespräsident wird. Sofort ergänzte ich den Wagen um das Gauck-Ei, das passte inhaltlich ja hervorragend zum Bild des Adlers. Gegen Mitternacht waren wir dann mit allem fertig, und ein paar Stunden später wurde der Wulff-Wagen auf die Straße gezogen. Das Timing der Ereignisse war wirklich perfekt.

Wie sieht ein politisch gut informierter Intellektueller wie Du Gauck als künftigen Bundespräsidenten?

Jacques Tilly: Schon damals bei der Wahl zwischen Wulff und Gauck haben fast alle gespürt, dass Wulff eindeutig der schlechtere Kandidat war. Dieses Amt lebt über eine Persönlichkeit, die es ausfüllt. Wulff hatte nichts zu sagen, und Gauck hat, schon aufgrund seiner Vita, einen ganz anderen Grad von Autorität. Insofern ist die Wahl goldrichtig – auch wenn ich als atheistischer Freigeist natürlich nicht begeistert bin, dass nun ausgerechnet ein Theologe das höchste Amt besetzt. Aber was zählt, ist sein Gewicht und seine Größe als Mensch. Und da bin ich mir sicher: Gauck ist die richtige Wahl. Die Menschen werden ihm zuhören und ihn ernst nehmen.

Welcher Deiner Wagen gestern beim Zoch war denn Dein Lieblingswagen?

Jacques Tilly: Mein persönlicher Favorit ist der Islamisierungswagen. Es ist schon dramatisch zu sehen, wie all die Freiheiten, die sich die rebellierenden Menschen im Verlauf des arabischen Frühlings erkämpft haben, jetzt durch eine Islamisierungswelle bedroht werden. Als erstes werden das die Frauen zu spüren bekommen. Ich fürchte, dass das, was wir im Iran Ende der 70er Jahre erleben mussten – als es mit der Rückkehr Khomeinis aus dem Exil ein ganz böses Erwachen gab – sich im gesamten arabischen Raum wiederholen könnte. Dann haben wir wirklich ein ernsthaftes Problem.

Dieser Wagen jedenfalls erzählt diese komplexe Geschichte in einem sehr einfachen und verständlichen Bild: die Islamisierungskröte schnappt nach dem frisch geschlüpften Schmetterling, der den arabischen Frühling repräsentiert.

Jürgen Rieck hat sich lautstark darüber echauffiert, dass der Düsseldorfer Karneval mit immensen Kosten für die Sicherheit konfrontiert und von der Stadt alleine gelassen wurde…

Jacques Tilly: Da kenne ich mich nicht genau aus, Zahlen und Kosten sind Sache des Geschäftsführers, da habe ich keine Einsicht. Insgesamt spüre ich aber bei OB Elbers, den Bürgermeistern Hock und Strack-Zimmermann eher eine chronische Karnevalsbegeisterung. Aber wenn der Geschäftsführer sagt, dass die Stadt die Narren bei den explodierenden Kosten – Stichwort Sicherheitskonzept – alleine lässt, wird er schon gute Gründe haben.

Du hast der Stadt Düsseldorf wieder immense publicity beschert. Da sollte man eigentlich meinen, dass dies in irgendeiner Form Honorierung findet…

Jacques Tilly: Nein, von der Stadt bekomme ich keinen Cent, so ist das nicht organisiert. Ich werde von den Karnevalisten bezahlt, von den Vereinen und hauptsächlich vom Comitee Düsseldorfer Carneval. Aber über Geld rede ich nicht öffentlich. Ich kann nur sagen, dass weder ich noch die Mitglieder meines Teams mit der Arbeit reich werden. Wir kommen gerade so durch, und müssen uns den ungeheuerlichen Arbeitsaufwand eben in erster Linie mit Ruhm und Ehre bezahlen lassen. Aber das kann kein Dauerzustand bleiben. Da muss in der Tat irgendetwas geschehen, sonst werden mir die besten Leute fahnenflüchtig.

Dein Resümee des Rosenmontagszuges?

Jacques Tilly: Der Rosenmontag 2012 war ein rundum gelungener Tag, auch das Wetter war auf unserer Seite. Soviel Fortune hatten wir ja nicht immer. Und auch die öffentliche Aufmerksamkeit, die die Züge durch die Wulff-Affäre und dann die plötzliche Gauck-Kandidatur erfahren haben, hat dem ganzen politischen Karneval ja noch einen zusätzlichen Schub gegeben.

Natürlich wurde auch kritisiert, dass die Mottowagen…

Jacques Tilly: … nicht ganz so böse und bissig wie noch im letzten Jahr waren. Das war aber Absicht. Nach den sehr bösen und harten Wagen im letzten Jahr – Guttenberg und der 11. September, der Pfarrer und der missbrauchte Junge, Sarazzin und die aufgespießte Türkenfamilie, der Burka-Wagen, Ahmadinedschad als Hakenkreuz – wollte ich wieder einen Grad runterschrauben und humorvollere, poetischere Bilder liefern. Und ich hoffe, mit der tanzenden Merkel und dem Merkozywagen ist das auch gelungen. Nächstes Jahr hauen wir wieder drauf, dass es nur so kracht. Versprochen.

Kommentare

2 Responses to “Düsseldorfs Karnevalswagenbauer Jacques Tilly über Gauck & Wulff, Islamisierung, Ruhm und Ehre als Bezahlung und den Verzicht auf Härte beim Rosenmontag”

  1. Düsseldorfs Karnevalswagenbauer Jacques Tilly über Gauck & Wulff, Islamisierung, Ruhm und Ehre als Bezahlung und den Verzicht auf Härte beim Rosenmontag | Jihad Watch Deutschland on Februar 21st, 2012 20:36

    […] könnte. Dann haben wir wirklich ein ernsthaftes Problem. Das vollständige Interview gibt es hier beim Düsseldorf Blog… Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. Dieser Beitrag wurde unter Ehrenmorde […]

  2. gärtner on Februar 12th, 2013 10:36

    Applaus für die Super Mottowagen, daß kann nur ein echter Düsseldorfer verstehen.
    bissige Satire für die Regierung.
    Denn sie wissen nicht was sie tun.